Wie finanziert sich meine Uni?

Das Abgeordnetenhaus in Berlin. Wer zieht ins nächste Parlament ein? Und was bedeutet das für die Finanzierung der Hochschulen? Quelle: Christoph Huebner
Das Abgeordnetenhaus in Berlin. Wer zieht ins nächste Parlament ein? Und was bedeutet das für die Finanzierung der Hochschulen? Quelle: Christoph Huebner

couchFM goes wählerisch. Hochschulfinanzierung vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl

Im September wird in Berlin gewählt. Die heißen Themen: Sicherheit, Integration, Wohnungsnot. Für uns Studenten besonders interessant: Die Finanzierung der Hochschulen und Unis. Woher kriegen die eigentlich ihr Geld? Die Finanzierung von Forschung und Lehre wird in den Hochschulverträgen geregelt, die der Berliner Senat mit insgesamt 11 Unis und Fachhochschulen abschließt. Die aktuellen Verträge laufen noch bis 2017. 2018 verteilt die neue Landesregierung wieder die Gelder. Weil dieses Thema wirklich nicht einfach zu durchblicken ist hat sich couchFM Reporterin Lea für euch schlau gemacht. Und die Wahlprogramme der Parteien daraufhin untersucht.

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VON Lea
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Die Berliner Wissenschaftslandschaft hört nicht auf zu wachsen.  Auf Bundesebene, in der Landesregierung und auch in der Wirtschaft wird diese Entwicklung begrüßt, denn sie bringt dringend gebrauchte Fachkräfte in die Hauptstadt. Aber eine steigende Anzahl an Studierenden und Forschenden treiben naturgemäß auch die Kosten für Forschung und Lehre in die Höhe. Die Schwierigkeit für den Berliner Senat: Die Hochschulen langfristig finanziell abzusichern

Die Geldmittel für die Hochschulen fließen in Berlin aus zwei Quellen, den Grundmitteln und den Drittmitteln. Die Grundmittel werden zu etwa zwei Drittel vom Land Berlin und zu einem Drittel vom Bund übernommen. Damit werden die grundsätzliche Lehre und ein Teil der Forschung finanziert. Drittmittel hingegen werden von den Unis zusätzlich für Forschungsprojekte eingeworben, zum Beispiel in der Exzellenzinitiative. Wer exzellent forscht soll auch exzellent belohnt werden. Doch einfach gestaltet sich die Situation der Hochschulen und des Senats nicht. Denn die Grundmittel reichen nicht aus. Die Unis beklagen regelmäßig Personalmangel in der Lehre.

Erstaunlicherweise haben sich in Berlin mit den steigenden Studierendenzahlen zwar auch die Zuschüsse des Landes erhöht, gleichzeitig ist der Betrag, der pro Jahr für einen Studierenden ausgegeben wird, aber um 20% gesunken. Die Folgen: Ein schlechteres Betreuungsverhältnis in der Lehre, Defizite bei der Gebäudesanierung.

Um die Verteilung der Gelder transparenter zu machen, wurde 2009 die leistungsbasierte Hochschulfinanzierung eingeführt. Das bedeutet, dass die gezahlten Zuschüsse seitdem abhängig sind von festgelegten Kriterien. Die Leistung wird in den Bereichen Lehre, Forschung und „Gender/Diversity“ bemessen. Beenden also an einer Hochschule besonders viele Studierende in der Regelstudienzeit ihr Studium und werden besonders viele Frauen neu eingestellt, bekommt die Hochschule eine bessere Leistungsbewertung.

Steffen Krach SPD-Politiker und Staatsekretär für Wissenschaft über die Entscheidung zu diesem Modell: 

„Die Gründe dafür waren, dass man nochmal gezielt Anreize setzt, im Bereich von Drittmitteleinwerbung, im Bereich der Qualität der Lehre, im Bereich von Wissenstransfer, aber völlig klar ist, dass ein Grundstock der Finanzierung für die Unis für die Hochschulen fest und ein kleiner Teil der Gelder wird leistungsbasiert vergeben. Und ich glaube, dass sich dieses Prinzip in den letzten Jahren bewährt hat.“

Das Zusammenspiel aus leistungsunabhängiger Grundfinanzierung und leistungsbasierten Anreizen wird hingegen von der Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus kritisiert. Die Grundfinanzierung sei auch zu gering um die Fixkosten der Hochschulen wie Tarifsteigerungen oder Energiekosten abzudecken. Wolfgang Albers ist Sprecher für Wissenschaft der Fraktion die Linke im Abgeordnetenhaus. Er sieht Sanierungsmängel im dreistelligen Millionenbereich. Um die Hochschulen insgesamt zu entlasten, möchte seine Partei eine Gleitklausel einführen, die eben die Kosten, auf die keinen Einfluss genommen werden kann, auffängt. Es könne nicht sein, dass höhere Wasser- oder Stromkosten zu einer Verschlechterung der Lehrqualität führen.

Auf den Investitionsstau er Gebäude machen auch Bündnis 90 /Die Grünen aufmerksam.  Sie wollen außerdem der Frauenquote mehr Bedeutung verschaffen und den wissenschaftlichen Mittelbau mit mehr unbefristeten Stellen ausstatten. Ebenfalls ganz wichtig bei den Grünen: Eine Zivilklausel, die verbietet, dass Berliner Unis Forschung zu militärischen Zwecken betreiben.

Die CDU setzt auf einen Ausbau der Grundfinanzierungen der Hochschulen aus dem Landeshaushalt und strebt eine gute Betreuung von Studierenden durch Professuren an. Ein berreits länger geplantes Technologie – und Gründungszentrum in Dahlem soll AbsolventInnen den unkomplizierten Übergang von der Hochschule in die Wirtschaft fördern.

Die aktuell in der Regierungsverantwortung stehende SPD will sich für die Hochschulverträge 2018-21 für eine Erhöhung der Zuschüsse einsetzen. Angestrebt wird damit auch eine Aufstockung von Masterstudienplätzen. Laut Wahlprogramm sollen 70% aller Berliner BachelorabsolventInnen auch einen Masterplatz bekommen. Mit der leistungsbasierten Förderung sollen Aspekte wie Gleichstellung, Familienfreundlichkeit, Barrierefreiheit, und Diversität weiter gefördert werden.

Neben der Gleitklausel, die unbeeinflussbare Kostensteigerungen auffangen soll, will sich die Partei die Linke dafür einsetzen, dass der Anteil der leistungsunabhängigen Grundfinanzierung wächst. Damit soll mehr Personal insgesamt eingestellt werden können, besonders aber auch bisher befristete Verträge entfristest werden. Auch die Linke setzt auf den Ausbau von Masterstudienplätzen.
Die Finanzierung der Berliner Hochschulen ist ein schwer zu durchdringendes Dickicht. Grundmittel, Drittmittel, Gleitklausel, sie alle sollen den praktischen Hochschulbetrieb möglich machen. Die Parteien haben natürlich unterschiedliche Lösungsansätze. Viele Lehrkräfte hoffen für die Zukunft vor allem auf mehr Masterstudienplätze, damit auch wenn Berlin weiter wächst, eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung möglich bleibt.



 

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Autorin:
Lea

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