Tour de TV Stud

Eine Runde wurde noch auf dem Ernst-Reuter-Platz gedreht, bevor die Fahrrademo vor dem TU-Hauptgebäude das Ziel erreichte. | © TVStud Berlin

„Nicht länger abstrampeln für 10,98 Euro“

Seit über einem Jahr gibt es die Initiative „TVStud Berlin“, die sich für einen neuen Tarifvertrag für studentische Beschäftige an den Berliner Unis einsetzt. Die Gelegenheit für Verhandlungen scheint im Wahljahr günstig wie lange nicht. Auf der Fahrraddemo „Tour de TVStud“ wollten sie auf sich und ihr Anliegen aufmerksam machen.

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UNIDSCHUNGEL
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VON Steve
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Für die Fahrraddemo (am 17.5.) sind sie sicherlich gern aufs Rad gestiegen: etwa 40 Studierende, die die Unis und ihre studentischen Beschäftigten „wachklingeln“ wollten. Darüber hinaus wollen sie sich aber „nicht länger abstrampeln für 10,98 Euro“. 10,98 Euro ist der Stundenlohn für alle studentischen Beschäftigten an den Berliner Unis, geregelt im „TVStud II“. Jetzt soll „TVStud III“ her, denn der Lohn hat sich seit 15 Jahren nicht geändert. Seit 2001 findet nämlich keine Kopplung an Lohnsteigerungen im Öffentlichen Dienst (Tarifvertrag der Länder) mehr statt, außerdem wurde 2004 das Weihnachtsgeld gestrichen.

Durch Inflation und Mietsteigerungen in Berlin sei man „jetzt an einem Punkt angelangt, wo die studentisch Beschäftigten in Berlin prekär beschäftigt sind bzw. vom Lohn nicht mehr vernünftig leben können“, sagt Christian Heine, Sprecher der Initiative TVStud Berlin, einem Zusammenschluss von studentisch Beschäftigten und den Gewerkschaften Verdi und GEW. Über 2000 der rund 8000 studentischen Hilfskräfte („Hiwis“) an den Berliner Unis haben an einer Umfrage teilgenommen, bei der hohe Zustimmungswerte zu Lohnerhöhungen und der Wiedereinführung der Dynamisierung (Kopplung an Steigerungen im Öffentlichen Dienst) erzielt wurden.

Die Chancen für neue Verhandlungen stehen zur Zeit sehr gut, meint Christian Heine. Schließlich sei Wahljahr. Schon 3 Parteien zeigten Unterstützung für das Anliegen von TVStud Berlin. Außerdem werden die Hochschulverträge Ende des Jahres neue verhandelt. Mit dem Argument von gestiegenen Löhnen könnten die Unis mehr Geld für sich einfordern.

Noch sieht sich die Initiative allerdings nicht verhandlungsbereit. Denn die Umfrage zeigte auch, dass nur 12% gewerkschaftlich organisiert sind. Das ist nicht genug, findet die Initiative, und hat sich vorgenommen bis zum Sommer 1000 Hiwis dazu zu bewegen, in die Gewerkschaft einzutreten. So soll die Verhandlungsposition gegenüber den Arbeitgebern, also den Unis, gestärkt werden. An mangelnder Protestbereitschaft waren die letzten Verhandlungen 2011 gescheitert.

Auch heute müssen noch viele der studentischen Hilfskräfte für einen Kampf um höhere Löhne mobilisiert und aktiviert werden. Denn viele sehen ihre Lage nicht als prekär an, sondern als gut. Andere Studierende müssten schließlich für weniger Geld arbeiten gehen. Diese Diskussionen sind Christian Heine sehr vertraut, doch er nimmt schon kommende Anpassungen des Mindestlohns in den Blick. Dann wird es relativ schnell gehen, so Heine, dass 10.98 Euro eher der untere Rand sind. Er möchte nicht erleben, dass der Lohn für die Hiwis immer nur dann angehoben wird, wenn der Mindestlohn erhöht wird. Außerdem werbe Berlin mit seiner Hochschullandschaft, da müssten die studentischen Hilfskräfte auch angemessen bezahlt werden. Schließlich seien sie es, „die an den Unis den Lehrbetrieb aufrecht erhalten, die den Profs die Folien vorbereiten, die Übungen halten, die in Laboren stehen und den Exzellenz-Profs die Versuche machen“, so Heine.

„15 Jahre sind genug“. Seit 2001 liegt der Stundenlohn der studentischen Beschäftigen unverändert bei 10.98 Euro. | © Steve Ebeling

Ein ausgehandelten Tarifvertrag zwischen Unis und Gewerkschaften gibt es so nur in Berlin. In anderen Bundesländern geben die Hochschulverträge lediglich Empfehlungen vor. So bekämen Hilfskräfte in anderen Bundesländern vielfach weniger als in Berlin, allerdings verhindere der Berliner Tarifvertrag auch Regelungen wie in NRW. Dort bekämen Hiwis, die bereits einen Bachelor vorweisen können, eher Löhne um die 14 Euro, berichtet Christian Heine.

Auf solche Ungleichheiten in der Berliner Wissenschaftslandschaft wollte auch die Fahrraddemo aufmerksam machen. So wurde Halt gemacht am Produktionstechnischen Zentrum in Charlottenburg. Das „PTZ“ ist ein Doppelinstitut der Fraunhofer Gesellschaft und der TU Berlin. Während die Kollegin vom Fraunhofer 14,24 Euro erhält, bekommt der Kollege von der TU nur 10.98 Euro, erläutert Heine. „Die machen die selbe Arbeit, die sitzen im selben Büro, bekommen zwei unterschiedliche Löhne. Dort sieht man, wo die studentischen Beschäftigten heute auch stehen könnten“.

Wenn der Zuwachs von 1000 neuen Gewerkschaftsmitgliedern gelingt – im Moment hat man 10% dieses Ziels erreicht –, dann wollen sie Verhandlungen einfordern. Realistischerweise wird das erst im Wintersemester der Fall sein, sagt Heine. Bis dahin wollen sie mit einer Sommertour weiterhin an den Berliner Unis mobilisieren.


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Autor:
Steve

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