PEGIDA & Co.

pegida & co - systemkritik von rechts

Studentenfutter vom 25.05.2015

zu Gast: Mitri Sirin und Christoph Brzezinski

Auf einmal waren sie da – hunderte, tausende, bald zehntausende Menschen, die Woche für Woche auf die Straße gingen und Forderungen mit sich herum trugen, von denen man in Deutschland gehofft hatte, sie nie wieder aus so vielen Mündern hören zu müssen. Seit dem Hochkochen der Bewegung Ende letzten Jahres sind einige Monate vergangen. Doch noch immer finden PEGIDA und Co. großen Anklang. Es ist keineswegs eine flüchtige Erscheinung – tatsächlich haben die Unruhen der letzten Monate eine wachsende Unzufriedenheit und tief sitzende Ängste in der Bevölkerung offen gelegt. Woher aber kommen sie? Was treibt sie an? Und was bedeutet Systemkritik von rechts?

Mit diesen und vielen weiteren Fragen haben wir uns im Rahmen unseres Studentenfutters befasst und darüber mit Mitri Sirin, Journalist und Moderator des ZDF-Morgenmagazins und Christoph Brzezinski, dem Landesvorsitzenden der Jungen Union Berlin, gesprochen.

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STUDENTENFUTTER
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Jetzt anhören:
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VON Fabian
Anne,
Conny,
Steve
und Markus
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Auch wenn es manch einem so vorkommt – die Dresdener Demonstranten kamen keineswegs aus dem Nichts. Bereits 2010 regte sich eine ähnliche Bewegung rund um Thilo Sarrazin und sein Buch „Deutschland schafft sich ab“. Auch die Erfolgsgeschichte der Alternative für Deutschland (AfD) im Jahr 2013 ging PEGIDA voraus und machte Äußerungen rechts von CDU und CSU salonfähig. Nun sind es also „Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes“ – kurz PEGIDA.


Stufu Pegida
PEGIDA-Demonstranten auf der Straße

Schnell organisierte sich eine Gegenbewegung – Medien, Politiker und ein Großteil der Bevölkerung zeigten sich schockiert und grenzten sich entschieden von den Demonstranten ab. Schnell war man dabei, sie zu verurteilen und ihre Äußerungen ins Lächerliche zu ziehen. Vielleicht zu schnell?

„Was das Thema PEGIDA selbst angeht, […] also wie die Presse damit umgegangen ist, da ist sicherlich nicht nur alles richtig gemacht worden, genauso wie in der Politik. Die Mehrheit der Medien hat da sehr früh sehr viel über einen Kamm geschert und gesagt ‚Das sind alles Nazis’“,

sagt Christoph Brzezinski. Der 28-jährige Landesvorsitzende der Berliner Jungen Union sieht einige Versäumnisse im Umgang mit den vielen Menschen, die sich von der islamkritischen Bewegung angesprochen fühlen. Dabei ist er nicht unbedingt auf Linie mit seiner eigenen Parteiführung – wie ihm durchaus bewusst ist:

„Es gibt ja (…) Funktionäre der CDU-Führungsriege, die sagen, sie gehen nicht in Talkshows wo AfD-Politiker sitzen. Find ich halt grundfalsch, weil das ist genau die Aufgabe eigentlich. Weil die AfD ist sicherlich auch (…) ein Problem der Union und deswegen müssen wir uns auch damit auseinandersetzen“.


couchFM Stufu Pegida im Studio
Im Gespräch: Christoph Brzezinski (rechts im Bild) über PEGIDA

Frank Richter war einer der wenigen, die sich für einen Dialog mit den PEGIDA-Demonstranten aussprachen. Der Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung organisierte eine Reihe von Gesprächsrunden mit den Demonstranten, da für ihn genau hier die Wurzel des Problems liegt: viele Bürger fühlten sich nicht mehr ausreichend gehört. Unserem Redakteur Steve sagte Richter im Rahmen eines Interviews:

„Gerade wenn so viele Menschen sich dem Dialog verweigern und damit auch zum Ausdruck bringen, dass sie keine politische Adresse haben, dass sie dem politischen System nicht trauen (…) dann liegt da eine Aufgabe, (…) diese Menschen zu fragen: Wo liegen eure Probleme? Wie können wir sie konstruktiv einbinden in den politischen Diskurs?“.

Hier könnt ihr euch das Interview in ganzer Länge anhören:

Mit dem Vorwurf der Lügenpresse musste sich natürlich auch der ZDF-Moderator Mitri Sirin auseinander setzen. Der in Rheine geborene Journalist musste außerdem aufgrund seines Namens und seines Aussehens bereits des Öfteren rassistische Anfeindungen erleben, die seit PEGIDA spürbar zugenommen hätten. Eine Gefahr sieht Sirin bei Bestrebungen, die Bewegung näher zur Mitte der Gesellschaft zu rücken  und damit die Massen zu mobilisieren:

„Die AfD hofft natürlich da jetzt was abzufischen. Und da muss man dann natürlich aufpassen“.

Wie Brzezinski und Richter spricht sich auch Sirin für eine Auseinandersetzung mit PEGIDA aus. Die Medien müssten außerdem die Aufgabe übernehmen, aufzuklären und zu differenzieren. Schließlich sei eines der Hauptprobleme das Zusammenwerfen von radikalem Islam, wie etwa dem Salafismus und dem friedlichen Islam. Daran müsse man arbeiten und Leitbilder entwerfen, die man dem entgegensetzen kann.

Alle unsere Gesprächspartner sind sich einig, dass man die Bewegung nicht einfach als einen Haufen Spinner abstempeln und unter den Teppich kehren darf. Wie Mitri Sirin passend zusammenfasst:

„Man muss sich mit dem Phänomen natürlich weiter beschäftigen, weil Fakt ist, in dem Land schlummert wahnsinnig viel Unzufriedenheit. Das ist einfach so. Und die hat sich einfach kanalisiert durch diese Bewegung“.


couchFM Stufu Pegida Gruppe
Im Studio: (v.l.n.r.) Mitri Sirin, Moderator Fabian und Christoph Brzezinski


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Autoren:
Fabian,
Anne,
Conny,
Steve
& Markus

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