Nachhaltigkeit der Uni

Nachhaltigkeit an der Uni

Studentenfutter vom 16.02.

zu Gast: Andreas Wanke und Viviana Wiegleb

In der neuesten Ausgabe des Studentenfutters widmen wir uns dem Thema Energie an der Uni und den Bemühungen um ein neues Nachhaltigkeitsbewusstsein im universitären Kontext. Die couchFM-Moderatorinnen Jenni und Merle begleiten euch durch eine Stunde Talk rund um Themen wie Nachhaltigkeitsforschung, Energieeffizienz der Uni-Gebäude oder auch nachhaltiges Essen in der Mensa. Außerdem geht es um die spannende Frage, in welche Bereiche Universitäten selber investieren.

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STUDENTENFUTTER
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Jetzt anhören:
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VON Jenni,
Merle,
Anne
und Lizzie
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Nachhaltigkeit ist ein Wort, das uns in allen möglichen Lebensbereichen begegnet. Ob Mode oder Ernährung, eine „grünere“ Lebensweise ist schon länger ein großes Thema. Es wird von der Energiewende gesprochen. Unternehmen und Bund arbeiten an einer Lösung. Energieinitiativen gibt es viele, doch wie sieht das Ganze an unseren Berliner Unis aus?

Wir haben uns zwei Experten eingeladen, die sich in ihrem Alltag mit dem Thema auseinandersetzen. Das sind Andreas Wanke, Leiter der Stabsstelle „Energie und Umwelt“,  der Freien Universität Berlin und Viviana Wiegleb, Studentin des Masterstudiengangs „Physische Geographie von Mensch-Umwelt Systemen“, die sich unter anderem im Nachhaltigkeitsbüro der Humboldt-Universität zu Berlin engagiert.

Universitärer Energieverbrauch

Eine Universität verbraucht eine Menge Strom und Wärme. Viele große Gebäude, mehrere Tausend Menschen, die in den Gebäuden, lernen, arbeiten und forschen. Da ist es klar, dass der Energieverbrauch enorm ist. An der FU gibt es seit 2003 Energieeffizienz-Programme, durch welche der Wärmebedarf deutlich reduziert werden konnte, indem Heizungs- und Lüftungsanlagen überholt wurden. Außerdem wurden in einem ersten Schritt die Energieverbrauchsdaten erfasst und analysiert, sodass sie Gebäudebezogen ausgewertet werden konnten. Doch letztendlich konnten umfassende Projekte nur aus der gemeinsamen Aktivität von Studierenden und Wissenschaftler_innen der Universitäten verwirklicht werden. An diesem Punkt steigt das noch recht junge Nachhaltigkeitsbüro der HU ein. Es will als Schnittstelle dabei helfen, die Universität nachhaltiger zu machen und dafür Forschung, Lehre und Verwaltung zu vernetzen.

Nachhaltiges Essen in der Mensa

Das zweite Schwerpunktthema der Sendung ist die Mensa. Dazu haben wir uns mit Hans Joachim Gabriel unterhalten. Er ist der verantwortliche Bereichsleiter für alle Berliner Mensen und fasst für uns zusammen, inwiefern sich die Mensen bereits um eine nachhaltige Bilanz bemühen und welche Lebensmittel aus regionaler beziehungsweise sogar biologischer Herstellung kommen (können).

Nachhaltigkeit erforschen

Außerdem behandeln wir das Thema Forschung – für eine Universität natürlich mit am Wichtigsten. Im Vorfeld dieser Sendung haben wir uns eine Institution der Humboldt-Uni genauer angesehen: Das IRI THESys ist eines von drei IRIs, also Integrativen Forschungsinstituten, an der HU, und wurde im Zuge der Exzellenzinitiative initiiert. Der Geschäftsführer von IRI THESys, Sebastian van der Linden, erläutert die Ziele des Instituts und erzählt uns, womit sich die Forscher momentan beschäftigen.

Nachhaltigkeit an der Uni 2

Universitäre Kapitalinvestoren

Im vierten Themenblock der Sendung geht es um die Universitäten als Kapitalinvestoren.
Die großen Öl, Kohle- und Gasunternehmen sind dafür verantwortlich, dass täglich Unmengen an CO2 in die Atmosphäre gelangen und so das Klima gefährlich erwärmen. Die Industrie ist durch ihre wirtschaftliche Stärke und effizienten Lobbyismus in der Lage, Gesetzesentwürfe gegen eine klimaschädliche Verbrennung fossiler Brennstoffe einzuschränken. Die fossil free Bewegung versucht diese Firmen auszubremsen, indem sie ihnen das Kapital und damit die Macht entzieht. Dabei sollen Privatpersonen, aber auch Institutionen wie Kirchen oder Kommunen die Gelder, die sie in fossile Brennstoffe angelegt haben, wieder abziehen und anschließend auch keine neuen Investitionen in diesem Bereich tätigen.

Die Gruppe fossil free Berlin fordert unter anderem die Berliner Universitäten auf, offenzulegen, ob sie in fossile Brennstoffe investieren und diese Investitionen gegebenenfalls zu beenden. Fossil free folgt dem Vorbild von Studenten in den USA, wo die Bewegung 2008 an der Middleburg University gegründet wurde. Die amerikanischen Universitäten haben ein sehr viel größeres Kapital als die Berliner Hochschulen (Die Stanford University beispielsweise hat ein Stiftungskapital von 18,7 Mrd. US$). Aber auch die Berliner Universitäten können über sogenannte unselbstständige Stiftungen Gelder im Millionenbereich gewinnbringend in Aktien und Fonds anlegen, um die daraus erzielten Gewinne dann wieder in Lehre und Forschung zu investieren. Die Berliner Universitäten sind als öffentliche Stellen nach dem Berliner Informationsfreiheitsgesetz verpflichtet, Bürgern auf Anfrage Einsicht in sämtliche Akten, also auch Bilanzen und Haushaltspläne zu gewähren. Es ist trotzdem sehr kompliziert herauszufinden, wie viel die Universitäten in welche Unternehmen und Fonds anlegen. Die HU kann über ihre unselbstständigen Stiftungen insgesamt 3.975165,87 € anlegen.
Von der FU ist gar kein Haushaltsplan einfach so zugänglich. Allerdings berichtete die Berliner Morgenpost von Geldern bis zu 108 Millionen Euro, die die FU in verschiedenen Fonds anlegt (Dazu: Bericht der Morgenpost und die Gegendarstellung der FU).
Die TU versichert der fossil free Gruppe dass „die TU Berlin und ihre Stiftungen unmittelbar keine Anteile an den 200 größten Kohle-, Öl-, und Gasfirmen der Welt hat und auch nicht beabsichtigt, welche zu erwerben.“

Alle drei Universitäten legen ihre Gelder in Form von Krediten und Investitionen bei Banken an, die wiederum mit Kohle-, Öl- und Gasunternehmen kooperieren. Auf die Frage, wie HU und FU die Gelder ihrer Stiftungen dabei genau aufteilen und anlegen, hat die fossil free Gruppe bis heute keine Antwort erhalten. Sie fordert einen Wechsel zu einer der 4 sogenannten Ethikbanken in Deutschland (GLS, Ethikbank, Triodos, Umweltbank), die die Gelder der Kunden nur in nachhaltigen Projekten anlegen.

Weltweit haben insgesamt 24 Colleges und Universitäten beschlossen, aus fossilen Brennstoffen zu desinvestieren. Bei den meisten handelt es sich um eher kleine Universitäten in den USA oder Kanada. Ein bekannteres Beispiel ist jedoch die Stanford University. Investitionen in Kohle-, Öl- und Gasfirmen sind nicht nur klimaschädlich, sondern auch unsicher. Den Hintergrund erklärt fossil free Gründer Bill McKibben sehr anschaulich in einem im Juli 2012 erschienen Artikel im RollingStone.

Auf der UN-Klimakonferenz 2010 stimmten die Mitglieder verbindlich zu, Maßnahmen zu ergreifen, die verhindern dass die Temperatur weltweit mehr als 2 Grad ansteigt. Damit das 2-Grad-Ziel realistisch bleibt, durften 2012 noch insgesamt noch 565 Gigatonnen CO2 ausgestoßen werden. Finanzanalysten aus Großbritannien haben auf der Basis dieser Zahl die Bilanzen und Businesspläne der 200 größten Kohle-, Öl- und Gasunternehmen angeschaut und festgestellt: Diese Firmen rechnen bereits fest damit, insgesamt 2795 Gigatonnen CO2 (also mehr als fünfmal so viel wie die errechnete Maximalgrenze) in die Atmosphäre zu entlassen. Sollte der Klimaschutz in Zukunft auch auf der gesetzgebenden Ebene ernster genommen werden, müssten diese Unternehmen enorme Verluste verkraften. Ihre Aktien und Börsenkurse würden in den Keller fallen. Ein aktuelles Beispiel: Eine Aktie von RWE war vor 6 Jahren noch 100€ wert, mittlerweile ist sie auf 29€ gefallen. Allein die Stadt Essen, ein großer Anteilseigner RWEs, hat dadurch 680 Millionen Euro verloren.

Deshalb fordern Unterstützung der fossil free Bewegung in mittlerweile 162 Ländern weltweit: „Divest now! Go fossil free!“

StuFu Nachhaltigkeit an der Uni
Im Studio (v.l.n.r.): Merle (couchFM), Viviana Wiegleb, Andreas Wanke und Jenni

Weiterführende Links:

Fossil free  &  Fossil free Deutschland

Zu den Hintergründen der Bewegung der Film „Do the Math“

IRI THESys

Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie an der HU Berlin

Das Nachhaltigkeitsbüro der FU

Aktuelle Themenklasse „Nachhaltigkeit & Globale Gerechtigkeit: Humboldts Fußabdruck 2.0“


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Autorinnen:
Jenni
Merle
Anne
Lizzie

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