Musikgenre: Dream Pop

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Quelle: Backgrounds ETC

Tagträumer und Schuh-Fetischisten finden ihren musikalischen Hafen

couchFM stellt euch regelmäßig verschiedene Musikstile vor. Dieses Mal schauen wir uns an, was sich hinter dem recht jungen Nischen-Genre mit dem vielversprechenden Namen verbirgt.

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VON Hannah M.
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Dream Pop – der Name hält, was er verspricht! Hinter diesem Subgenre des Alternative Rock steckt ein wunderbar sphärischer und weicher Klang, wie aus einer Traumwelt entsprungen.Typisch ist die melodische, federleichte Komposition, die trotz aller Verwaschenheit und Unschärfe immer rythmisch und eingängig bleibt. Der Gesang tritt eher zurück und wird harmonisch in das Klanggerüst eingebettet. Die gedeckten, nahezu gehauchten Stimmen drücken Sanftheit und Zerbrechlichkeit aus. Keine großen Emotionen, keine großer Pathos. Stattdessen: unaufgeregte Veträumtheit.

Typisch für das Genre ist nicht nur seine klangliche, sondern auch seine optische Stilistik. Plattencover zeigen entweder sehr reduzierte Designs auf schlichten Grund, oder – ganz passend zur Musik – monochromatische, verschwommene Photographien. Sowohl Künstlernamen als auch die Albentitel sind stets dezent und klein, oder fehlen sogar gänzlich. Hier eine kleine Auswahl typischer Artworks:

Die Coverwelten des Dream Pop: zwischen verwaschener Photographie (links) und Minimalismus (rechts)
Die Coverwelten des Dream Pop: zwischen verwaschener Photographie (links) und Minimalismus (rechts)

Das Genre entstand Mitte der 80er Jahre in Großbritannien aus dem Post-Punk und Ethereal heraus. Der verschwommene Gitarrenklang von Vertretern dieser Richtungen war die Grundlage für seine Entwicklung. Eine herausragende Bedeutung kommt dabei der schottischen Band Cocteau Twins zu. Sie bauen auf den Vorgängern auf, aber schaffen daraus einen sehr eigenen, innovativen Sound. Mit Hilfe von Synthezisern verdichten sie den Klang und machen ihn damit poppiger und melancholischer zu. Die Cocteau Twins beeinflussen mit diesem neuen Sound eine Welle an erfolgreichen Dream-Pop-Bands der späten 80er und frühen 90er Jahre, wie zum Beispiel The Flaming Lips oder Mazzy Star.

Die Pioniere des Dream Pop: Cocteau Twins | Quelle: cocteautwins.com
Die Pioniere des Dream Pop: Cocteau Twins | Quelle: www.cocteautwins.com

Parallel und auf ähnliche Weise entwickelt sich auch ein Musikstil namens “Shoegazing”, also zu deutsch “auf die Schuhe starren”. Und nein, es handelt sich dabei nicht um Schuh- oder gar Fußfetischisten, wie es der Name vermuten ließe. Stattdessen bezieht sich der Begriff auf eine Unterform des Dream Pop, die etwas agressiver und weniger leichtfällig ausfällt, aber nichts an Verträumtheit und Atmosphäre einbüßt. Der Name Shoegazing veranschaulicht lediglich die Musiker dieses Genres bei einem Live-Auftritt. Wegen all der Technik auf dem Bühnengrund, die sie benötigen, um ihren sehr dichten, komplexen Sound zu erzeugen, bleibt ihnen nicht anderes, als sich immer wieder auf die Schuhe zu starren, mit denen sie die Instrumente bedienen. Berühmte Vertreter sind Bands wie Slowdrive und My Bloody Valentine. Auch hier sind die Cocteau Twins als entscheidender Einfluss zu nennen.

In den 90er Jahren verliert das Genre an Beliebtheit und wird zunehmen zu einem Nischen-Genre. Erst um 2010 lebt das Genre wieder in neuer Größe auf, als einige gehypte Indie-Bands die Kernelemente des Dream Pop aufgreifen, aber ihn mit neuen Elementen aus Electronica, Indie und Folk verweben. Dank Künstlern wie The xx, Beach House, M83, Lykke Li und vieler mehr, wird der verträumte Klang wird wieder populär und sogar radiotauglich. Und heute noch tauchen immer wieder neue, spannende Künstler dieser Art auf, wie jüngst DIIV, Day Wave oder Mira, und Lobo!, um nur einige Beispiele zu nennen.

In den Charts wird man jedoch auch in Zukunft vergeblich auf Dream Pop hoffen, denn trotz allem bleibt es ein Genre für Liebhaber, Tagträumer – und für diese besondere Art von Schuhfetischisten.


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Autor:
Hannah M.

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