Literarischer Spaziergang

Auf literarischer Spurensuche am Kurfürstendamm – Ein Besuch im Literaturhaus Berlin

„Ich hab so Heimweh nach dem Kurfürstendamm“, sang Hildegard Knef und dachte dabei nicht an internationale Modelabels und Ladenketten. Der Kudamm war einst das Herzstück des Kulturszene Berlins und bei Nachtschwärmern beliebt. Das Litera-turhaus Berlin deckt auf, welche Schriftsteller und Künstler hier früher lebten.

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VON Lena Maria
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„Er ist im Februar ins Exil gegangen und nie wieder zurück nach Deutschland ge-kehrt, somit ist diese Adresse an der Fasanenstraße 61 die letzte deutsche Adresse, die Heinrich Mann gehabt hat.“
Der Schriftsteller Heinrich Mann lebte nicht grundlos vor Ausbruch des zweiten Welt-kriegs in der Fasanenstraße nahe dem Kurfürstendamm. Dort – wo sich heute ein Geschäft an das andere reiht – blühte einst das kulturelle Leben Berlins. Theater, Varietés, Kinos und bunte Nachtschwärmer belebten das Straßenbild. Abends war was los im „Industriegebiet der Intelligenz“.
„Von dieser Strahlkraft sind dann natürlich auch Autoren angezogen worden. Also unter anderem eben Robert Musil,“
erzählt Sebastian Januszewski vom Literaturhaus Berlin – dem ältesten Literaturhaus der Welt. Jeden dritten Sonntag im Monat werden dort literarische Führungen im und um das Literaturhaus in der Fasanenstraße 23 herum angeboten.

Zu Beginn bekommen die Besucher Einblicke in die abwechslungsreiche Geschichte der imposanten Villa neben dem Käthe Kollwitz Museum, die seit knapp 30 Jahren das Literaturhaus beherbergt. Erbaut wurde sie vor über 125 Jahren für Richard Hil-debrandt. Mit seiner Frau führte er ein geselliges Leben. Forscher und Schauspieler gingen in der Villa ein und aus. Nach dem Tod der Hildebrandts begann eine wilde Zeit für das Gebäude in der Fasanenstraße 23. Vom Reservelazarett im Ersten Welt-krieg wurde es zur Volksküche und zum Flüchtlingsheim. Später diente es ausländi-schen Studierenden als Unterkunft. Zuletzt befand sich darin ein zwielichtiges Nacht-lokal, bevor schließlich das Literaturhaus in das heute denkmalgeschützte Gebäude einzog. Bis heute ist ein reges Kommen und Gehen in der Fasanenstraße 23 Pro-gramm. Lesungen und Diskussionen, Symposien und Ausstellungen beleben die alt-ehrwürdigen Räume. Ein Café und ein Buchgeschäft laden zum Verweilen ein.

Während des literarischer Spaziergangs vom Literaturhaus zum nahegelegenen Kur-fürstendamm erzählt Herr Januszewski von den schillernden Persönlichkeiten, die früher Tür an Tür rund um dem Kudamm wohnten und wirkten. So auch der Schrift-steller Robert Musil, der in einer kleinen Pension an seinem bekannten Roman „Mann ohne Eigenschaften“ schrieb.
Von der kulturellen Glanzzeit ist heute nicht mehr viel zu spüren. Das Filmtheater Gloria Palast musste einem Benetton Store weichen und in der ehemals bekannten Nelson Revue wird heute Tommy Hilfiger Kleidung verkauft. Nur einige dezente Ge-denktafeln erinnern an die einstigen Bewohner. Einer davon war der Lyriker Max Hermann-Neiße. Frei lässt sich folgender Ausschnitt aus einem seiner Gedichte, als Abschiedsgruß an den einstigen Kudamm und seine Bewohner lesen:
„Wo lohnt sich irgendeine Müh, man stirbt so hin, ob spät ob früh. Da hilft kein Gebet. Betrinkst du dich, hältst du Diät. Man stirbt so hin, ob früh, ob spät. Verwelkt, ver-west, verweht.“
Die nächste Literarische Führung findet am Sonntag, den 15. November um 11 Uhr vormittags statt und dauert etwa zwei Stunden. Studenten zahlen drei Euro.
Weitere Informationen zu den Literarischen Führungen und zum Literaturhaus im Allgemeinen findet ihr auf der Homepage des Literaturhauses Berlin.


Weiterführende Links

Literaturhaus Berlin
Literarische Führung


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Autorin:
Lena Maria
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