Sondersendung „Häusliche Gewalt“

Prügel – Eine ganz gewöhnliche Geschichte häuslicher Gewalt.
Buchcover von „Prügel – Eine ganz gewöhnliche Geschichte häuslicher Gewalt.“ von Antje Joel | © Antje Joel

Am 28.01. erschien das Buch “Prügel – eine ganz gewöhnliche Geschichte häuslicher Gewalt” von Antje Joel im Rowohlt-Verlag. Die couchFM-Redakteurinnen Anne Katrin und Sophia haben es gelesen und beschlossen, eine Sondersendung zu dem Thema zu machen. Neben der Vorstellung des Buches und einem Gespräch mit Autorin Antje Joel, präsentiert couchFM-Redakteurin Leah die Fakten zum Thema häusliche Gewalt, es gibt Interviews mit der Frauenhauskoordinierung e.V. und zwei Mitarbeiterinnen des Berliner Frauenhauses der Caritas. Außerdem war couchFM-Reporterin Mona bei der Podiumsdiskussion der Jungen Juristinnen zum Thema Femizide und berichtet davon. 


Jetzt anhören:


Häusliche Gewalt liegt vor, wenn es in einer häuslichen Gemeinschaft (also einer familiären, eheähnlichen oder partnerschaftlichen Beziehung) zum Ausüben oder Androhen von Gewalt kommt. Das muss allerdings nicht zwingend innerhalb einer gemeinsamen Wohnung geschehen. Es ist auch egal, ob die Partnerschaft gerade besteht, aufgelöst wird oder bereits aufgelöst ist. 

Häusliche Gewalt hat verschiedene Formen. Sie äußert sich in Form von sexualisierten, körperlichen und psychischen Gewalthandlungen. Dabei wird das Verhalten von Täter*innen bewusst bzw. unbewusst eingesetzt, um Macht und Kontrolle auszuüben. Oft greifen mehrere Ebenen in einander. 

2018 waren laut Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend war 140.775 Menschen Opfer von häuslicher Gewalt. Über 3/4 davon sind Frauen. Laut Bundeskriminalamt erlebt jede dritte Frau in Deutschland im Laufe ihres Lebens häusliche Gewalt. 2011 wurde jede zweite von den insgesamt 313 ermordeten Frauen von ihrem Partner umgebracht.

Insgesamt sind die Zahlen angezeigten Gewalttaten gegen Frauen durch ihren Partner oder Ex-Partner laut BKA leicht angestiegen sind. Familienministerin Giffey beschreibt diese Zahlen als „alarmierend“. Allerdings werden 81 Prozent aller häuslichen Misshandlungsfälle globalen Studien zufolge niemals angezeigt, denn nahezu jede zweite Frau schweigt über die häusliche Gewalt, die sie erleidet. Laut der Weltgesundheitsorganisation ist Gewalt gegen Frauen eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen weltweit. 

Viele der Betroffenen schämen sich für das, was ihnen angetan wird und werten sich selbst ab. Meinst dauert partnerschaftliche Gewalt über Jahre an, da es vielen Betroffenen schwer den/die Partner*in zu verlassen. Rechtlichen Faktoren (z.B. aufenthaltsrechtliche Bestimmungen) oder der ökonomischen Abhängigkeit können zur Stabilisierung von Gewaltbeziehungen beitragen.

Häusliche Gewalt gilt als Menschenrechtsverletzung, weil hier besonders das Recht auf Leben, das Verbot der Folter und unmenschlicher erniedrigender Behandlung sowie die persönliche Freiheit und Sicherheit eingeschränkt werden. 

Wo gibt es Hilfe?

Mehr Sensibilisierung für das Thema und Hilfetelefone wie „Gewalt gegen Frauen“ sollen dazu beitragen, dass die Bereitschaft, entsprechende Fälle anzuzeigen, steigt. Zudem gibt es in Deutschland rund 350 Frauenhäuser als Zufluchtsort für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen. Über die Hälfte davon gehören zur Frauenhauskoordinierung e.V., der politischen und fachlichen Interessenvertretung der Frauenhäuser in Deutschland. Die Frauenhäuser sind in Wohlfahrtsverbänden bundesweit organisiert. Dazu gehören nicht nur 260 Frauenhäuser in ganz Deutschland, sondern auch etwa 200 Beratungsstellen.

In Zukunft soll es laut SPD-Politikerin Giffey aber einen Rechtsanspruch auf eine Unterbringung in einem Frauenhaus geben.

Weiterführende Links

Ihr seid selbst von häuslicher Gewalt betroffen oder kennt jemanden, der/die Hilfe braucht? 

Wir haben für euch einige Anlaufstellen zusammengetragen. 

Frauenhauskoordinierung e.V.

bundesweite Beratungsstellen- und Frauenhaussuche

www.frauenhauskoordinierung.de

Bundesweites Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen”

Beratung und Hilfe rund um die Uhr

0800 011 60 16

www.hilfetelefon.de

BIG Hotline

Berliner Hilfetelefon für von Gewalt betroffene Frauen

Info über weitere Beratungsstellen und Vermittlung von Kontakten

erreichbar 8:00-23:00 Uhr (auch an Feiertagen und am Wochenende)

030 611 03 00

https://www.big-hotline.de

Frauenhaus des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin e.V.

030 5 51 10 18

https://www.caritas-berlin.de/beratungundhilfe/berlin/frauen/frauenhaus-berlin

Weißer Ring e.V.

Hilfe für Opfer von Gewalt (nicht nur Frauen)

https://weisser-ring.de

Opferhilfe Berlin e.V.

Hilfe und Beratung für Opfer von Gewalt (nicht nur Frauen) 

030 39528 67

http://www.opferhilfe-berlin.de

Nightline Berlin

Studentisches Sorgentelefon, erreichbar Dienstags und Donnerstags 20:30-24:00 Uhr

030 20 93 70 666

http://berlin.nightlines.eu

Deutscher Juristinnenbund e.V.

https://www.djb.de


Autorin:

Sophia

Autorin:

Anne Katrin