El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez

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El Grecos “Die unbefleckte Empfängnis” in der Ausstellung “El Siglo de Oro” | © Jule Logsch

So war die Kunst das Einzige, was im goldenen Zeitalter Spaniens glänzte.

Mit El Grecos Gemälde „Die unbefleckte Empfängnis“ beginnt die derzeitige Ausstellung der Berliner Gemäldegalerie gleich mit einem ihrer Highlights. Kein Wunder, dass auch die Expressionisten in dem aus Griechenland stammenden Maler eines ihrer Vorbilder sahen. Ein Avantgardist und Pionier seiner Zeit. Virtuos spielt er mit Farben und Perspektiven, pfeift auf die Darstellung naturgemäßer Proportionen. “Eine Besucherin fragte mich, ob El Greco krank gewesen wäre, weil sie nicht verstanden hat, dass er so anders gemalt hat als die anderen Künstler, die in der Ausstellung zu sehen sind”, berichtet Catalina von Heroven, die als Volontärin das Ausstellungsprojekt mitbetreute.


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VON JULE
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Das goldene Zeitalter, welches von etwa 1550 bis 1681 dauerte, markierte die künstlerische Blütezeit Spaniens, dessen Territorium sich damals über fünf Kontinente erstreckte. Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts verlor die Weltmacht jedoch erheblich an Bedeutung und Einfluss. Kriege, Epidemien, Staatspleite und die Pest erschütterten das Imperium Philipps dem IV. Das Paradoxe hierbei: Vor dieser katastrophalen Kulisse entfaltete sich die Kunst Spaniens in einzigartiger Pracht. Staat und Kirche instrumentalisierten sie für politische Propaganda und man kratzte hierfür die letzten Goldreserven zusammen. Im hochkatholischen Mutterland der Inquisition wollte man mithilfe religiöser Kunst der Reformation entgegenwirken und die Gläubigen für sich gewinnen. Besonders anhand der zahlreichen Skulpturen, die in der Zeit entstanden und von denen eine Vielzahl von Meisterwerken in der Berliner Ausstellung zu sehen sind, lässt sich der eindringliche Appell an das religiöse Empfinden des Betrachters ablesen. So schaudert es einem, wenn man Gregorio Fernández’ toten Christus inmitten einem der Ausstellungsräume aufgebahrt vorfindet. Realistischer kann man die Höllenqualen des sterbenden Jesu nicht darstellen.

Gregorio Fernández’ “Der tote Christus” |© Jule Logsch

Die Bildwerke des spanischen Barocks sind aus Holz, da es in Spanien keinen Marmor gab. Das wärmere Material lieferte aber vor allem den Vorteil, dass durch seine Bemalung – die ausschließlich von Malern und nicht von den Bildhauern durchgeführt werden durfte! – es möglich war, den Figuren Leben einzuhauchen. Daneben kamen noch andere Materialien wie Glas, Kork oder Elfenbein zum Einsatz.

In der Porträtmalerei verstand es wiederum niemand so gut, das Seelenleben und den Charakter seiner Modelle so präzise darzustellen wie der Großmeister des spanischen Barocks Diego Rodriguez de Silva y Velázquez. Mit gerade mal 24 Jahren avancierte er zum Hofmaler Philipps dem IV. “Wir sehen die Porträtierten mit ihren Defekten, mit ihren äußerlichen Unebenheiten. Sie werden nicht schöner dargestellt als sie sind. Durch den dunklen Hintergrund wirken sie auch sehr psychologisiert. Und das ist eben das Interessante bei Velázquez, dass er den König sowohl wie auch den Hofnarren genauso würdig und menschlich darstellt”, so Heroven.

„El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez“ versammelt erstmalig ein umfangreiches und facettenreiches Spektrum an Kunst des spanischen Barocks in einer deutschen Ausstellung. So kommen die Besucher in den Genuss über 130 Zeichnungen, Skulpturen und Gemälde weltberühmter Künstler wie Francisco de Zurbarán zu sehen. Aber man begegnet auch eher wenig bekannten Akteuren des goldenen Zeitalters wie Fransisco Ribalta oder der Bildhauerin Luisa Roldán. Über 60 Ausstellungshäuser lieferten Leihgaben – darunter das Louvre, der Prado und das Amsterdamer Rijksmuseum. Es gibt viel zu sehen und man muss einiges an Zeit und Ausdauer mitbringen. Doch es lohnt sich! Nicht zuletzt aufgrund des charmanten Ausstellungsführers – so wird der Audioguide von Daniel Brühl gesprochen.

El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez

01.07.2016 bis 30.10.2016
Gemäldegalerie am Kulturforum Berlin
Matthäikirchplatz
10785 Berlin

Öffnungszeiten:

So 11:00 – 18:00
Mo geschlossen
Di 10:00 – 18:00
Mi 10:00 – 18:00
Do 10:00 – 20:00
Fr 10:00 – 18:00
Sa 11:00 – 18:00

U-Bahn U2 (Potsdamer Platz)
S-Bahn S1, S2, S25 (Potsdamer Platz)
Bus M29 (Potsdamer Brücke); M41 (Potsdamer Platz Bhf / Voßstraße); M48, M85 (Kulturforum); 200 (Philharmonie)

Eintritt:
14,00 EUR ermäßigt 7,00

Weiterführende Links:

Ausstellung „El Siglo de Oro“


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Autorin:
Jule

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