E-Zigaretten

E-Zigaretten-Raucher  Quelle: http://vaping360.com
Sieht man immer öfter in der Öffentlichkeit: E-Zigaretten.
Quelle: http://vaping360.com

Dampfer auf dem Vormarsch

Dank E-Zigaretten wird Qualmen in der Öffentlichkeit wieder salonfähig.

Nachdem Raucherinnen und Rauchern zunehmend der öffentlich Raum strittig gemacht und Zigaretten stetig teurer werden, hat sich ein neuer Markt aufgetan. Doch E-Zigaretten drohen als vermeintlich gesündere Variante nicht nur ehemalige Rauchende anzulocken.

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Anne-Sophie Schmidt

VON
Anne-Sophie
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Raucherinnen und Raucher haben es nicht leicht. Langsam, aber sicher wird ihnen jeder noch so kleine Raum in der Öffentlichkeit strittig gemacht. Rauchen im Zug, im Flugzeug, im Restaurant? Was bis in die 80er Jahre selbstverständlich und fast schon chic war, ist heute undenkbar. Dazu kommen stetig steigende Tabakpreise, die das Rauchen zu einem kostspieligen Laster machen.

Doch für Anhänger von Glimmstängel und Rauch hat sich eine Alternative auf dem Markt etabliert: die E-Zigarette. Es scheint fast, als würde Rauchen damit wieder salonfähig. Der vermeintliche Rauch ist dabei natürlich nur Dampf, und das Glimmen elektrisch erzeugt.

Zu den Konsumenten von E-Zigaretten gehört auch Tim, 29. Seit eineinhalb Jahren ist er „Dampfer“, wie er terminologisch gleich richtigstellt. Bei der E-Zigarette finde kein Verbrennungsprozess statt, außerdem wolle man sich ja bewusst von den Rauchern distanzieren. Tim dampft also E-Zigarette und er fing damit an, um vom Tabakrauchen loszukommen. Die E-Zigarette half ihm, sodass er seitdem keine einzige Zigarette mehr geraucht hat.

Wie der Name schon signalisiert, funktionieren E-Zigaretten elektrisch. Ein batteriebetriebenes Heizelement erhitzt eine Flüssigkeit, das sogenannte Liquid. Durch das Erhitzen des Liquids entsteht der typische Dampf. Dampfer müssen auf das bekannte Glimmen nicht verzichten: für das authentische Rauchergefühl sorgt ein eingebautes LED-Element, das beim Inhalieren Glutlicht imitiert. Der große Unterschied zu Tabakzigaretten liegt in dem Liquid, das aus drei Bestandteilen besteht: Propylenglykol, ein farb- und geruchloser Alkohol, der als Trägersubstanz für Nikotin und Aromastoffe dient, Glycerin und optional Nikotin und pharmakologische Wirkstoffe sowie Duft- und Aromastoffe. Die Liquids können nach individuellen Vorlieben selbst gemischt werden, die Geschmacksrichtungen reichen von Lakritz bin hin zu Mango-Papaya.
Gleich mehrere Vorteile bietet die E-Zigarette damit gegenüber der Tabakvariante.

Zum einen kann das Liquid je nach Vorlieben selbst zusammengestellt werden. Dieser individuelle Spielraum ist für Dampfer wie für Händler gleichermaßen reizvoll. Für die Dampfer ist es Ausdruck ihrer Individualität, für die Händler eine willkommene Marktlücke im gebeutelten Rauchersegment.

Zum anderen kann die E-Zigarette aber auch Leuten wie Tim helfen, mit dem Tabakrauchen aufzuhören. Nino Haje, Filialleiter von „E-Happy“, einem Fachgeschäft für E-Zigaretten in Berlin-Steglitz, bestätigt, dass der überwiegende Anteil seiner Kundschaft Langzeitraucher sind, die ihre Sucht verlagern wollen und eine Alternative suchen, um mit dem Rauchen aufzuhören. Der Vorteil von E-Zigaretten gegenüber anderen Nikotinersatzpräparaten wie beispielsweise dem Nikotinpflaster liegt darin, dass Dampfer ihren gewohnten Rauchhabitus fortsetzen können: die gleiche Handbewegung, die allein für viele Raucher schon beruhigend wirkt, man sieht Dampf um sich, das Knistern beim Ziehen an der Zigarette…

Die komplette Ausrüstung zum Dampfen. Quelle: http://www.ecigclick.co.uk

Die komplette Ausrüstung zum Dampfen.Quelle: http://www.ecigclick.co.uk

Außerdem ist die E-Zigarette langfristig billiger. Ein entscheidender Vorteil gerade für ehemals starke Raucherinnen und Raucher wie Tim. Vollkommen harmlos sind E-Zigaretten aber nicht. Das bestätigt auch der Lungenfacharzt Robert Loddenkemper. E-Zigaretten hätten verschiedene Möglichkeiten, die Gesundheit zu beeinträchtigen. Nicht ausreichend erforscht seien zum Beispiel mögliche Nebenwirkungen der Aromastoffe. Studien an Mäusen und Zellkulturen haben gezeigt, dass es verschiedene Zellreaktionen durch die Aromastoffe der E-Zigarette gibt. Die größte Gefahr von E-Zigaretten sieht Loddenkemper aber in der Hinführung von Jugendlichen zum Rauchen: „Es besteht die Gefahr, da gibt es einige Studien aus den USA, dass die [Jugendlichen] über die E-Zigarette auch zum Tabakkonsum kommen, was natürlich nicht erfreulich ist. Denn wir haben ja in Deutschland sehr gute Zahlen erreicht beim Tabakkonsum bei den Jugendlichen, da liegt es zum Teil schon unter 10 %, was vor ein paar Jahren noch 30 % war, das ist enorm. Aber über die E-Zigaretten besteht die Gefahr, dass dann wieder der Tabakzigarettenverbrauch ansteigt und das wäre nicht erfreulich.“

Ob Jugendliche tatsächlich über die E-Zigarette auch zur schädlicheren Tabakvariante kommen, ist fraglich und bedarf genauerer Studien. Fakt ist aber, dass der Umsatz mit E-Zigaretten in den letzten zehn Jahren enorm gestiegen ist. Wurden 2010 noch rund 5 Millionen Euro mit E-Zigaretten umgesetzt, wurde 2015 ein Umsatz von fast 300 Millionen Euro erwartet.
Dieser Trend bestätigt sich auch auf der Straße, denn immer öfter sieht man dampfende Leute in der Öffentlichkeit. Auch in der Kunst hat sie Einzug erhalten: im Film „Er ist wieder da“ (2015) zieht Katja Riemann genüsslich an einer E-Zigarette. Auch in der Werbung wird unter anderem mit dem Slogan „Be posh“ eindeutig um ein junges und hippes Klientel geworben.
Die E-Zigarette ist wohl günstiger und weniger schädlich als die Tabakzigarette. Letztendlich sollte sich aber jeder die grundsätzliche Frage stellen: warum überhaupt mit dem Rauchen oder Dampfen anfangen? Langfristig profitiert davon nämlich vor allem die Tabak- und Dampfindustrie.

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Autorin:
Anne-Sophie

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