Der Geschmack von Frieden

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Quelle: Cooking for Peace Berlin

Ein Projekt in Berlin bringt mithilfe von Kochen und Gemeinsamen Essen Geflüchtete, Neuankömmlinge und Berliner zusammen.

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VON Anne-Sophie
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Ein Wohnzimmer in Berlin-Wedding. Fünfzehn Menschen sitzen um einen langen, mit bunten Servietten gedeckten Esstisch herum. Der Raum strahlt eine warme Atmosphäre aus: Altbau, Holzdielen, gedimmtes Licht. An der Wand hängt eine große Weltkarte. An einer Seite stehen zwei große Regale voller Kochbücher mit Rezepten aus aller Welt. Es ist die Wohnung von Ciska Jansen. Sie ist Niederländerin mit indonesischen Wurzeln und lebt seit 9 Jahren in Berlin. Ciska ist Gründerin des gemeinnützigen Vereins „enak enak“. „Enak“ heißt auf indonesisch „lecker“, und „enak enak“ ist folglich „sehr lecker“. Der Name kündigt bereits an, dass Ciskas Projekte immer etwas mit Essen zu tun haben.Aber eigentlich ist es nicht Ciska, die an diesem Abend im Mittelpunkt steht, sondern Melody. Melody kommt aus dem Nordiran, einer Region am kaspischen Meer. Die fünfzehn Gäste an diesem Abend sind gekommen, weil Melody ein Vier-Gänge-Menü aus ihrer Heimat für sie kocht.

Melody ist nicht etwa ausgebildete Köchin, sondern Architektin. Sie hat in Teheran studiert und ihren Master in Cottbus gemacht, bevor sie nach Berlin kam, wo ihre Schwester bereits lebte und wo sie ihre Doktorarbeit schreiben will. Im letzten Jahr hat Melody viel in Flüchtlingsunterkünften geholfen. Sie hat übersetzt, aber auch gekocht. Auf mehreren Ebenen also war sie Vermittlerin zwischen Flüchtlingen, Behörden und Berlinern. Die Einladung zum Essen an diesem Abend ist Teil der Initiative „The Taste of Peace“. Ursprünglich brachte die Initiative nur in Berlin lebende Palästinenser und Israelis zum gemeinsamen Kochen und Essen zusammen. Weil das Projekt aber so erfolgreich war, wurde es erweitert für Menschen auch aus anderen Regionen. Die Idee dahinter ist ein Rollentausch: Geflüchtete und Neuankömmlinge in Berlin werden zu Gastgebern und kochen und servieren Essen aus ihrer Heimat. So wie an diesem Abend Melody aus dem Iran. Das Essen steht zwar im Vordergrund, aber für Melody ist es auch ein Mittel für einen anderen, höheren Zweck. Indem man etwas neues schmecke, könne man sich besser die Kultur des unbekannten Landes und die Leute vorstellen, die dort lebten. Begegnungen über gemeinsames Kochen und Essen schaffen, und dabei neue Geschmäcker und Kulturen kennenlernen, das ist auch Ciskas Anliegen mit ihrem Projekt „The Taste of Peace“: „Die Idee dahinter ist, dass wir zeigen, was für schönes, positives Leute zu bieten haben und dass es nicht immer um ‚Flüchtlingskrise‘ oder Migranten als Probleme geht, sondern dass Leute etwas zu bieten haben. (…) etwas schönes und etwas positives, etwas leckeres in diesem Fall und dass Berliner, egal von welcher Kultur, einander kennenlernen.“

Tatsächlich kommen an diesem Abend ganz unterschiedliche Menschen zusammen. In Ciskas Wohnzimmer, ganz unkonventionell in Strümpfen und harmonischer Atmosphäre, sitzen Leute unterschiedlichen Alters, die sich vorher nicht kannten. Ein paar von ihnen sind alleine gekommen, andere auch in Begleitung mit dem Partner oder der Kollegin. Die Stimmung ist von Offenheit geprägt, jeder unterhält sich mit jedem. Zwischen den Gängen hat Melody nur Zeit für einen kurzen Plausch, am Ende des Abends aber gesellt sie sich dazu und die Gäste erfahren mehr über sie und ihr Leben im Iran und in Berlin. Dass man miteinander ins Gespräch kommt, das ist für sie das eigentlich wichtige. Denn nur über Reden und den Austausch könne man die Lebensrealitäten in den unbekannten Ländern besser begreifen.

Es ist die zweite Auflage von „The Taste of Peace“, weitere Abende mit neuen Gastgebern aus anderen Ländern sind geplant. Die Idee des Projekts ist einfach: einen Rahmen zu schaffen, in dem sich Menschen ungezwungen begegnen, die sich sonst vielleicht nicht über den Weg laufen würden. Neuankömmlinge und Alteingesessene aufeinander treffen lassen und damit Vorurteile und Ängste zu verhindern oder gar nicht aufkommen zu lassen.

Die nächste Ausgabe von „The Taste of Peace“ wird am 02.04. um 19 Uhr stattfinden: Altahir kocht  etwas aus seiner Heimat, dem Sudan. Wer teilnehmen möchte, kann sich bis zum 31.03. anmelden. Für die Teilnahme wird ein Spendenbetrag von 20 € erbeten, wobei der Großteil dem Koch oder der Köchin zukommt. Weitere Infos auf der Seite des Vereins Enak Enak.

UPDATE: Der Termin am 2.4. ist abgesagt.


Weiterführende Links

Verein enak enak

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Autorin:
Anne-Sophie

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