Auf einen Plausch mit dem Bauer

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Frisches Obst und Gemüse direkt vom Bauer aus der Region | © Marktschwärmer

Marktschwärmer – regional, fair, direkt

Frische und regionale Produkte direkt beim Bauern einkaufen? Auf sogenannten Marktschwärmereien ist dies bereits in vielen deutschen Städten möglich. Der ideale Mix aus Online-Einkauf, Bauernmarkt und Nachbarschaftstreff!


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GESPRÄCHSSTOFF

Celia

VON Célia

In der Marktschwärmerei gibt es fast alles: frisches Obst und Gemüse, Eier, Wurstwaren, geräucherten Fisch, Honig uvm. Es ist Mittwochabend, kundenfreundlich um 18 Uhr, öffnet der Gastgeber Andreas-Bernd Ulke die Türen der Marktschwärmerei in Berlin Lichtenberg. Es ist ein kleines Fahrradloft, das für die nächsten 2h Platz für frische landwirtschaftliche Produkte und angeregte Gespräche liefert.

Marktschwärmer, so nennt sich die digitale Plattform, die Kunden und Erzeuger zusammen bringt. Der Kunde kann sich dort kostenlos und ohne Bestellzwang bei einer sogenannten Marktschwärmerei in seiner Nähe anmelden. Das kann das Café um die Ecke sein, ein Atelierraum oder auch ein Fahrradloft. Einmal pro Woche treffen dort Kunde und Bauer aufeinander. Der Kunde nimmt die zuvor auf der Internet-Plattform gekauften Produkte entgegen und hat dabei die Möglichkeit direkt vom Erzeuger mehr Informationen über Herkunft und Verarbeitung der Lebensmittel zu bekommen. „Hier kann man sich einfach mal die Zeit nehmen und ein paar Minütchen quatschen. Auf dem Wochenmarkt musst du zack zack zack verkaufen, weil immer bereits der nächste Kunde in der Schlange steht“, erzählt Erzeuger Micha, der eine eigene Fischräucherei betreibt. Hier braucht er immer nur genau die Produkte mitzubringen, die auch bestellt wurden. Dies sei sehr viel entspannter, weil kein Geld über den Tresen geht und unnötiges abernten oder herumtransportieren erspart bleibt.

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Einfach online bestellen und in der nächsten Marktschwärmerei direkt beim Bauern abholen | © Marktschwärmer

Entstanden ist dieses Konzept 2010 in Frankreich. Daraufhin starteten europaweit lokale Teams mit dem Aufbau neuer Standorte. So auch Deutschland, wo 2014 die erste Marktschwärmerei in Berlin eröffnet wurde. Obwohl Deutschland bereits eine grosse Dichte an Biomärkten hat, stellen für Gastgeber Andreas-Bernd Ulke die Marktschwärmereien eine gute Ergänzung dar. „Der Wochenmarkt ist eine super Sache, den wollen wir gar nicht streitig machen. Biomärkte sind auch was gutes, aber die grösseren Biomärkte drücken natürlich auch wieder die Preise, um den Kunden gute Angebote zu machen. Bei uns ist es so, dass die Erzeuger selber den Preis bestimmen und der Kunde bezahlt den Preis, den er sieht und weiss dann, dass der Erzeuger das auch bekommt.“

Viele Kunden sind längst zu Stammkunden geworden. Sie schätzen die frischen Produkte beim Bauer des Vertrauens und sind auch bereit, dafür etwas tiefer in die Taschen zu greifen. Es kann allerdings auch vorkommen, dass Produkte einmal nicht ganz der eigenen Vorstellung entsprechen. Ein bisschen Experimentierfreudigkeit muss der Kunde also mitbringen.

Nach knapp 2 Stunden haben alle Kunden ihre Bestellungen abgeholt und die Erzeuger packen die restlos leeren Kisten wieder zusammen. Noch eine kleine Plauderei mit dem Gastgeber bevor dieser das Fahrradloft schliesst, aber nur um es in einer Woche wieder in einen Pop-Up Bauernmarkt zu verwandeln.

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