Apollo Dreizehn – Einsamkeit (01)

Apollo Dreizehn – Einsamkeit (Folge 01)

Die Themensendung zur „Einsamkeit“ war der Startschuss für dieses Projekt. Leider war ich zu spät mit meiner Produktion, sodass ich meinen Beitrag umstellte und für sich allein stehen ließ. Ich fragte meine beste Freundin und Yogalehrerin Steffi Haese mir ein Statement zum Thema zu geben. Wir telefonierten. Sie recordete zuhause, ein bißchen umständlich, mit einem zweiten Handy. Es entstand dann plötzlich eine erzählerische Form eines Beitrags mit ein paar Fakten und der Sprache eines Hörbuchs. Die erste Folge des Podcast „Apollo Dreizehn – Liebe, eine gescheiterte Mission“ war geboren. Steffi und ich hatten in unseren früheren Jahren eine TV-Produktionsfirma names Apollo Dreizehn… doch das wird höchstwahrscheinlich in einem „Gästezimmer“ besprochen :)

GESPRÄCHSSTOFF

Kali: Ich sitze am Schreibtisch und schaue durch mein Fenster. Die Vögel sind lebendiger als sonst. Für viele ist die Stadt Berlin nicht wiederzuerkennen.

Keine Party, kein Theater, seit Tagen haben sich viele Menschen trotz Bedürfnis nicht umarmt, sind sich nicht näher gekommen. Jede und jeder leistet solidarische Schwerstarbeit zur Entlastung des Gesundheitssystems.

In Zeiten der Coronakrise ist die staatlich empfohlene häusliche Isolation eine große Herausforderung für den Menschen als ein soziales Wesen. Die Schwere der Einsamkeit macht sich breit.

Autor Robert Misik sieht die Lage, des, wie er sagt „schon immer dagewesenen, unterschwellige Lebensgefühls unserer Zeit“ jedoch nicht dramatisch. Er schrieb in der „Neuen Züricher Zeitung“: „Einsamkeit war noch nie so gut vernetzt wie heute!

Ich will mich aber nicht vernetzen und gewöhnen an die Einsamkeit.

Weil wir uns nicht treffen sollten, nimmt mir meine beste Freundin und Yogalehrerin eine Sprachnachricht mit dem Telefon auf. Was ist für dich Einsamkeit?

Steffi: …ist irgendwie so ein negativ besetzter Begriff, aber der hat auch ganz viel Schönes. Und ich verstehe unter Einsamkeit alleine zu sein und getrennt von anderen Menschen zu sein. Aber ich empfinde das nicht als soziale Distanz, ganz im Gegenteil. Mein soziales Empfinden wächst sogar noch.

Kali: Wachsen wir so zusammen, durch das verordnete Getrenntsein? Einsam ist, so der norwegische Philosoph Lars Svendsen, wer weniger soziale Beziehungen hat, als er gerne hätte – und darunter leidet…

Was tut man wenn man sich einsam fühlt, aber kein Mensch da ist der einem die Hand hält, man Worte nur asynchron durch die digitalen Netze schickt?

Berührung ist die erste Sprache der Menschen, stand neulich auf einer Postkarte?

Was hilft bei Einsamkeit?

Hilft es an Positives zu Denken, allein zu Lachen oder alles einfach weg zu atmen?

Steffi: Also die aller beste Übung ist auf jeden Fall die Meditation, in Ruhe zu verweilen, bei sich anzukommen, seinen Atem zu spüren, in seinen Körper rein zu gehen, denn dass nährt eben diese guten Qualitäten. Es gibt im Yoga ein Spruch, der sagt eben, die negativen Gedanken sind wie das Unkraut zu sehen im Garten, ne. Das wächst von ganz allein, da muß ich gar nichts tun, hingegen die positiven Gefühle, das ist die Rose um die muß ich mich ein bißchen kümmern. Und so ist das mit unseren guten Aspekten in uns, die bedürfen immer eine portion extra Anerkennung.

Kali: Das britische Parlamaent nannte die Einsamkeit der Bevölkerung in Großstädten schon 2008 „Epedemie im Verborgenen“, sodass es ein Ministerium der Einsamkeit einführte. England wurde zunächst von anderen Ländern dafür belächelt. Im Jahr 2020 scheint die Idee gar nicht mehr so verkehrt.

Auch ehrenamtliche Tätigkeiten der solidarischen Initiativen, wie die Nachbarschaftshilfe, Lesepaten und die Tafeln könnten der Einsamkeit entgegen wirken.

Steffi: Man kann auch Einsamkeitsgefühle auflösen, in dem man einfach sagt: Hey ich bin am Leben, ich bin da, wer braucht meine Hilfe. Ich stell mich in den Dienst.“ Denn wenn man gebraucht wird, fühlt man sich, auf jeden Fall, schon mal viel besser.

Kali: „Einsam sein“ ist so nicht nur ein ulkiger Zwitter aus «eins» und «gemeinsam», „einsam“ bedeutet durch die Silbe „sam“ auch, „etwas haben“. Der Mensch ist einsam und „hat“, und doch, ist ihm als „hätt’ er nicht“, warum so besitzergreifend. Besitz bedeutet teilen, immer schon. Befreit man sich von dem Besitz der Einsamkeit, dem Identifizieren mit dem Einsamen, dann ist man befreit und bereit für Zweisamkeit.

Link zu Steffi  -> Mahayana Yoga


Autor:

Kali

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