50 Jahre „Summer of Love“

Alt- und Neu-Hippies
Alt- und Neu-Hippies beleben zum 50-jährigen Jubiläum den Golden Gate Park in San Francisco © Rojer – Flickr Commons Creatives

San Francisco – Zentrum der psychedelischen Rebellion

Sommerzeit ist Festivalzeit: Es wird ausgelassen getanzt, gefeiert, geliebt. Sich sorglos treiben lassen und das Leben genießen – das zumindest wollte auch die Hippiebewegung, die im „Summer of Love“ 1967 ihren Höhepunkt erreichte. Der Ursprung der heutigen Festivalkultur feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Eine Reise zurück in den Sommer 1967 zu den Blumenkindern in San Francisco.


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KULTURKOMPASS

Alles begann mit einem Happening: Am Nachmittag des 14. Januar 1967 versammelten sich über 25000 junge Menschen im Golden Gate Park in San Francisco zum „Human Be-In“. Unter den Besuchern waren auch Leute der Beat-Generation wie Allen Ginsberg und Gary Snyder. Sie forderten nicht weniger als Liebe, Freiheit und Frieden. Der Psychologe und LSD-Guru Timothy Leary prägte an diesem Tag das Motto der Hippiekultur: „Turn On, Tune In, Drop Out“. Turn dich an, sei dabei, steig aus – der Summer of Love hat begonnen.

Bereits Anfang der 60er Jahre formte sich breiter Widerstand, gegen die Konsumgesellschaft, gegen das prüde Amerika, gegen den Vietnamkrieg. Während in Oakland die Black Panther-Bewegung geboren wurde und in Berkeley die Studenten auf die Strassen gingen, ging es in San Francisco vor allem um einen alternativen Kultur- und Lebensstil. Eine kleine Gemeinschaft von Hippies siedelte sich im Haight-Ashbury Viertel, in der Nähe des Golden Gate Parks an. Die meisten kamen aus gutem Hause, waren weiss, zwischen 17-25 Jahre alt und nannten sich selbst Blumenkinder oder „Love Generation“. Sex, Drogen und Musik – das waren die Zutaten für ein Leben, das nach anderen Regeln funktioniert und neue Bewusstseinserfahrungen versprach. San Francisco wurde zum Zentrum der psychedelischen Rebellion.

Hippies
Heute wird im Haight Ashbury Viertel die Hippiebewegung vermarktet © David Ohmer – flickr Creative Commons

Und dann kam das Monterey Festival im Juni 1967. Das erste Rockfestival der Welt bildete den Höhepunkt des „Summer of Love“. Musiker wie Janis Joplin, Jimmy Hendrix und Grateful Dead wurden über Nacht zu Stars. Über 200´000 Leute feierten zur ekstatischen Musik, die so revolutionär war, wie die aufkeimenden Ideale.
Doch zum Entsetzen der Hippies der ersten Stunden, wurden nun die Medien auf die Blumenkinder in San Francisco aufmerksam. So wurden immer mehr junge Menschen aus dem ganzen Land mit dem Hippiefieber infiziert. Sie hatten das spiessbürgerliche Leben ihrer Eltern satt, stattdessen wollten sie etwas Lebensveränderndes erleben. Aber wogegen rebellieren, wenn man eigentlich alles hat, was man braucht? Verliebt in diesen Hippietraum zog es spätestens mit dem Beginn der Semesterferien 1967 die Massen nach Haight Ashbury.
Das war zu viel. Das soziale Klima begann zu kippen und die Gemeinschaft brach auseinander. Die einst so farbenfrohe Szene wurde schwierig, um es mal milde auszudrücken. Viele verloren sich im Rausch, sie waren dem erweiterten Bewusstseinszustand nicht gewachsen. Obdachlosigkeit, Krankheiten, Kriminalität und harte Drogen durchkreuzten die Ideale der einstigen Blumenkinder.

Als Folge erklärten im Oktober 67 einige hundert Hippies den Sommer der Liebe für beendet, enttäuscht davon, dass ihr Lebensstil und ihre Ideale vermarktet wurden. Die Hippiekultur wurde als lebensgroße Puppe in einem Sarg symbolisch zu Grabe getragen – getötet durch Kommerz und Medien. Ironie des Schicksals?

Es bleibt die Frage: Was ist heute von der Hippiebewegung übrig geblieben? Die Jugendrebellen von damals sind in die Jahre gekommen, einige Ideen wie Natur-und Umweltschutz aber sind geblieben. Hippies und vor allem Wanna-Be-Hippies findet man heute überall auf der Welt. Doch die Bewegung bleibt ein kommerzielles Medienphänomen, man denke dabei an die heutige Festivalkultur oder Schmuck-und Modetrends. Selbst der Begriff „Summer of Love“ wurde patentiert…Peace!
Hippies wollten die Welt verändern. Viele Menschen wollen es noch immer, denn vielleicht sie hat es nötiger denn je.


Weiterführende Links

Link zur offiziellen Jubiläumsfeier

Link zum „Summer of Love“ der California Historical Society


Autorin:

Célia