Swear I’m Good At This

Titelbild Best of Ringvorlesungen
© Fleet Union

Feinster Indie-Pop-Punk aus New York von DIET CIG

“Haste mal Feuer”? Auch auf solch lapidare Weise können sich Bands gründen. Wer das zu Beispiel auf diesem Wege getan hat, erzählt Euch Musiknerdin Ann-Kathrin.

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KOLLEGENGESPRÄCH

Hinter dem Indie-Punk Duo DIET CIG verstecken sich die beiden New Yorker Alex Luciano und Noah Bowman. Auf ihrem Bandcamp Profil beschreiben sie sich selbst als “two homies making tunes and eggs on the regs”. Zwei Freunde die Musik machen. Und das recht minimalistisch. DIET CIG verzichten auf etwa Bass und andere Bandmitglieder und machen zu zweit Musik. Frontsängerin Alex spielt Gitarre, Noah sitzt am Schlagzeug. So etwas wie ein Pendant zur britischen BLOOD RED SHOES, die sich zwar eher im Alternative-Rock bewegen, aber auch ein starkes Mann-Frau-Duo darstellen. DIET CIG treffen scheinbar einen Nerv, den schon die White Stripes anregten. In Deutschland sind das gegenwärtig etwa die deutsche Band ME AND MY DRUMMER oder MOLDE. Ganz witzig ist auch, wie die beiden sich kennengelernt haben. Alex hat Noah während der gerade ein Konzert mit seiner alten Band spielte, kurz gestört und nach einem Feuerzeug gefragt. Heute sind sie vermutlich ohne oder nur mit E-Zigarette unterwegs (siehe Band-Name). Dieser Encounter markiert jedenfalls den Beginn von DIET CIG. Seitdem machen sie gemeinsam Musik und veröffentlichten 2015 ihre erste EP Over Easy.

„It’s hard to be a Punk while wearing a skirt”

Mit ihrem neuen Album Swear I’m Good At This schließen sie nahtlos daran und zeigen sich mit Themen wie etwa Sexismus und Gleichberechtigung. Dafür steht etwa einer der 12 Songs vom Album “Tummy Ache”. Darin heißt es etwa: “I’ve been yelling my whole life and finally it’s time to make my words count in a way I haven’t quite figured out. I don’t need a man to hold my hand and that’s just something you’ll never understand.” Das zeigt ganz deutlich die Position der Sängerin Alex, die in vieler der Texte durchschimmert. Sowas wie: “Ich bin eine Frau, ich kann das auch. Zum Beispiel Punk sein. Denn darum geht es auch im Song. Sie singt später “And my stomach hurts cause it’s hard to be a Punk while wearing a skirt”.

Das Albumcoer

Swear I’m Good At This ist ein lautes, progressives Album, das sich neben den genannten Themen auch den scheinbar kleinen, zwischenmenschlichen Problemen und so etwas wie Beziehungsunfähigkeit widmet. So etwa im Song “Sixteen” oder “Maid of the Mist“. Ein etwas langsameres Beispiel, die auf dem Album eher rar gesät sind, ist “I don’t know her”.

Tell me you’re better, not like all the others. Can we hang no strings attached?
Listen to *NSYNC cassettes. Cause I don’t wanna make you cry, you seem like such a real nice guy. And I don’t want you to feel nostalgic for something that never happened if I’m alright then you’ll be alright.

Das Motto hier: Es ist nicht schlimm, wenn man nicht die Liebe fürs Leben findet. Das passt auch dazu, dass das gegen das teilweise traditionelle amerikanische Bild steht, man müsse Beziehungen früh eingehen, heiraten, zusammenbleiben.

Live sind DIET CIG ein wirkliches Must-See, und das hat verschiedene Gründe. Zunächst gibt Alex vor Konzert Awareness-Hinweise in dem sie sagt, dass jede und jeder auf den anderen achten soll, dass niemand (sexuell) belästigt oder in irgendeiner Form diskriminiert wird. Ein Konzert soll ein Raum für Freiheit und eine gute Zeit sein. Da ist kein Platz für Belästigungen egal in welcher Form. Außerdem hüpft Alex wie ein Flummi über die Bühne, streckt ihre Beine wie ein Funkemariechen in die Luft und singt dabei und spielt Gitarre. Nicht schlecht!

DIET CIG erstes Album steht ihrer ersten EP in nichts nach und ist ein gelungener Anschluss an ihrer ersten musikalischen Schritte. Wir sind gespannt auf mehr!


Ann-Kathrin Canjé

Autorin:
Ann-Kathrin