Streets of Berlin

Fotocredit: Luna Schön

„Schau der Straße ins Gesicht“

Berlin – das bedeutet kulturelle Vielfalt, historische Sehenswürdigkeiten, ein explodierendes Studienangebot und nicht zu vergessen: eine legendäre Partyszene. Aber ebenso wie der Fernsehturm oder das Berghain aus dem typischen Stadtbild nicht wegzudenken sind, begegnen dem Berliner auch Obdachlose überall auf den Straßen der Hauptstadt. Doch was wissen wir eigentlich über diese Menschen? Hinter jedem Gesicht verbirgt sich eine individuelle Geschichte, ein eigenes bewegendes Schicksal. Woran es den Obdachlosen jedoch entschieden fehlt, ist eine Plattform, auf der sie zeigen können, wer sie sind und was für eine Vergangenheit hinter ihnen liegt. Omid Mirnour, Wahlberliner seit vier Jahren, hat aus diesem Grund ‚Streets of Berlin‘ ins Leben gerufen – ein Nonprofit-Projekt, welches in YouTube-Videos obdachlose oder sozial bedürftige Menschen zu Wort kommen lässt. CouchFM hat Omid im Interview getroffen.

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GESPRÄCHS-
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Jetzt anhören:
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VON Jessy Lee
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Als Omid aufgrund seines Medienmanagement-Studiums von Aachen nach Berlin umzieht, entgeht ihm die verstärkte Obdachlosigkeit in der Stadt nicht. Immer wieder stellt er sich Fragen: Wie gestaltet sich das Leben ohne festen Schlafplatz oder regelmäßiges Essen? Wie kam es überhaupt zu diesem Schicksalsschlag? Omid beginnt die Menschen spontan anzusprechen und stellt in unzähligen persönlichen Gesprächen fest, wie offen die Obdachlosen über sich und ihre Lebensumstände zu sprechen pflegen. Schnell entscheidet er, dass die Geschichten nicht ungehört bleiben dürfen und gründet das Projekt ‚Streets of Berlin‘, dass er zunächst vollkommen alleine stemmt – von der ersten Aufnahme bis zum Hochladen des finalen Videos. Alle zwei Wochen streift er auf der Suche nach bereitwilligen Interviewpartnern durch die Bezirke Berlins. Nicht selten nimmt das schonmal einen ganzen Tag in Anspruch, denn bis Omid überhaupt jemanden gefunden hat, kann es teilweise Stunden dauern. Und auch dann läuft es nicht immer wie geplant, erinnert sich Omid: „Wir hatten einmal jemanden, der für ein Interview zuerst zugesagt hatte. Zusammen saßen wir dann am U-Bahnhof Nollendorfplatz und haben begonnen, das Interview zu führen. Ich glaube, er hat in etwa drei Minuten gesprochen und als die Bahn kam, sprang er plötzlich auf und verschwand im Zug. Das war’s dann gewesen mit dem Interview.“ Doch Omid trifft auf seiner Suche auch immer wieder Menschen, die ihm tiefe und bewegende Einblicke in ihr früheres Leben und die derzeitigen Lebensumstände gewähren. Einmal darf er sogar mehrere Tage mit seinem Interviewpartner verbringen und dessen Leben mit der Kamera begleiten. Aus dem gedrehten Material soll in Zukunft eine spezielle Dokumentation entstehen…

Apropos Zukunft: Über die seines Projekts ‚Streets of Berlin‘ hat er sich bereits ausgiebig Gedanken gemacht. Während für Omid definitiv feststeht, dass der YouTube-Kanal auch künftig nonprofit bleiben soll, wünscht er sich für die Zukunft mehr Formate neben der klassischen Interview-Situation und möglichst zahlreiche Ablegerprojekte, die das Konzept aufnehmen und in ihrer Stadt weiterführen. Zudem soll der Fokus auf Straßenkinder, Flüchtlinge und aktuelle Problematiken ausgeweitet werden. Vor allem aber bleibt ‚Streets of Berlin‘ eines: authentisch. Skripts, Drehbücher, künstlich geschnittene Szenen – all dies sucht man bei dem Berliner Projekt vergeblich. Und gerade das macht ‚Streets of Berlin‘ eben so einzigartig.

Wer sich für das Projekt begeistert fühlt, kann sich jederzeit in die Projektarbeit einklinken. Omid ist ständig auf der Suche nach interessierten Berlinerinnen und Berlinern, die Lust auf die ehrenamtliche Arbeit mit Obdachlosen haben und nachhaltig auf die Thematik aufmerksam machen möchten.

Zuletzt bleibt nur noch eines zu sagen: „Schau der Straße ins Gesicht“ – Streets of Berlin.


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