Samenspender

Samenspender

Nach 198 Spenden ist Schluss

Für bis zu sechs Schüsse bekommt Bernd Sichel* 105 Euro. Denn Bernd ist Samenspender. „Seit zwei Jahren mache ich das schon“, sagt der 34-jährige Anglistikstudent aus Neukölln. Über eine Anzeige in der U-Bahn ist er auf die Idee gekommen, das mal auszuprobieren und hat sich prompt bei der Berliner Samenbank gemeldet. Die haben ihn schließlich auch in ihrer Kartei aufgenommen und jetzt hilft Bernd hetero- und homosexuellen Paaren, Kinder zu bekommen.

[white_box] [four_columns_one]


GESPRÄCHSSTOFF
[/four_columns_one] [two_columns_one]

Jetzt anhören:
[/two_columns_one] [four_columns_one_last]


VON STEFFI
[/four_columns_one_last] [divider] [/white_box]

„Der primäre Grund war aber das Geld“, gibt er zu. Doch bevor sein Samen an potentielle Eltern weitergegeben werden konnte, musste er untersucht werden, sowie Bernds Blut und Urin. Denn letztlich kommen nur acht Prozent der Männer in Frage, die auch spenden dürfen. Das ist nicht mal jeder zwölfte. Doch bald ist Schluss für Bernd. Insgesamt darf er nur bis zu 33 Zyklen spenden. Eine Abgabe entspricht dabei drei bis zu sechs Proben. „Ich glaube, dass ich aus inzestuösen Gründen aufhören muss“, vermutet Bernd. Welchen Job er dann neben dem Studium machen will, der finanziell genauso ertragreich ist, weiß er noch nicht.

Bernds Familie weiß nichts von seiner ungewöhnlichen Tätigkeit. Nur sein bester Freund, mit dem er hin und wieder über das Thema spricht und auch scherzt. Und seine Freundin natürlich, die den Job locker sieht. „Die Tatsache, dass ich in einer Kammer sitze und onaniere, stört sie nicht. Das einzige, worüber wir uns beide Gedanken machen, ist, dass irgendwann mal Abkommen vor der Tür stehen könnten“, sagt Bernd. Denn bisher ist diese Sache juristisch nicht einwandfrei geregelt. Zwar hat im Februar 2013 das Oberlandesgericht in Hamm entschieden, dass Spender künftig nicht mehr anonym bleiben dürfen. Aber ob die betroffenen Kinder auch ein Recht auf Alimente oder eine Erbschaft haben, ist völlig unklar. Eine Grauzone.

Nichtsdestotrotz kann Bernd sich gut vorstellen, das ein oder andere Kind, dass durch seine Hilfe geboren wurde, kennen zu lernen. „Ich wäre sogar neugierig darauf, die Person zu treffen. Allerdings wird es noch viele Jahre dauern, bis die Kinder geboren werden und dann auch noch erwachsen sind“, sagt er. Einen weiteren Haken hat das Spenden bereits jetzt schon: es nimmt Einfluss auf Bernds Sexualleben. „Drei Tage vor dem Spenden, darf ich keinen Samenerguss, sprich keinen Sex haben. Da können drei Tag ganz schön lang sein. Aus diesem Blickwinkel ist es doch sehr hart verdientes Geld“, sagt er und kann ein Lächeln nicht unterdrücken.

An seine erste Spende kann sich der Student, der einer von insgesamt 200 Spendern ist, noch gut erinnern. „Es war sehr warm und tatsächlich schwieriger als gedacht. Das liegt an der fremden Umgebung“, erzählt Bernd. Enge und stickige Kabinen gibt es in der Samenbank nicht. Das sei ein Klischee, sagt Bernd. Vielmehr sind die einzigen zwei Räume sehr komfortabel ausgestattet. Es gibt ein Urinal, ein Waschbecken, einen Sessel und einen Fernseher über den Pornos abgespielt werden können. „Und natürlich liegen dort auch Magazine aus“, sagt Bernd und ergänzt: „Aber ich habe immer meine eigenen Videos auf dem Handy dabei.“

Wenn der junge Mann seinen Kommilitonen von seinem Studi-Job berichtet, sind diese begeistert. Aber so recht habe es sich noch keiner von ihnen getraut, es ihm nachzumachen, sagt Bernd. Dabei müssten sie sich nicht alleine fühlen. Denn: generell sind bis zu 60 Prozenten der Klienten Studenten. Und nach Angaben der Laborleiterin Ann-Kathrin Hosenfeld, sei die Zahl der studentischen Spender in den vergangenen Jahren leicht gestiegen.

Wie viele Kinder durch Bernds Hilfe schon auf die Welt gekommen sind, weiß er nicht. „Aber ich denke schon, dass meine Spermien benutzt wurden, denn schließlich habe ich die viel Geld gekostet“, sagt er. Seit der Gründung der Samenbank vor 20 Jahren sind etwa 1000 Kinder geboren worden.

*(Name von der Redaktion geändert)


Weiterführende Links:

Homepage der Berliner Samenbank

Homepage Spenderkinder.de

Homepage DI-Netz e.V. – Familiengründung mit Spendersamen


[two_columns_one] [white_box]

Autorin: Steffi

[/white_box] [/two_columns_one] [two_columns_one_last]

Mehr von:
[button link=“http://www.couchfm.de/radiomacher/steckbriefe/anne-stephanie-wildermann/“ color=“black“ size=“xlarge“]> Steffi[/button]

[button link=“http://www.couchfm.de/radiomacher/archiv/gespraechsstoff/“ color=“black“ size=“xlarge“]> Gesprächsstoff[/button]

[/two_columns_one_last]

[divider]