re:publica 2015

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couchFM berichtet
von der Netzkonferenz

Vom 5.-7. Mai fand sich zum mittlerweile neunten Mal die Netzgemeinde zur re:publica in der STATION Berlin zusammen, um über aktuelle Themen rund um die digitale Gesellschaft zu diskutieren.

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GESPRÄCHSSTOFF
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im Magazin
vom 08.05.2015:
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VON JANNIK
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Seit ihren Anfängen mit 700 Besuchern hat sich die Internetkonferenz einem nicht zu übersehenden Wandel unterzogen. Schon in den letzten Jahren wurde die Anschlussfähigkeit zur Mitte der Gesellschaft gesucht, um die wachsende Bedeutung von Netz-Themen auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Allerdings machten die Veranstalter in der Eröffnungsrede gleich zu Beginn deutlich, dass sich mit dem diesjährigen Motto „Finding Europe“ auch ein Stück weit von der Limitierung des Netzpolitischen gelöst werden soll. Im Programm manifestierte sich diese thematische Expansion vor allem durch Veranstaltungen, die einerseits die aktuelle Flüchtlingsproblematik aufgriffen und andererseits einer digitalen europäischen Identität auf der Spur waren. Ob es letztere überhaupt gibt, blieb fraglich. Verschiedene Redner bemerkten im Bezug darauf, dass wir uns als Europäer darauf begrenzen die Inhalte der US-Amerikaner auf Hardware aus Asien zu konsumieren und unsere Bestrebungen nach Innovation und Weiterentwicklung damit zum Scheitern verurteilt sind, da sie sich immer am bereits Bestehenden orientieren.

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Ergänzendes Schwesterevent mit Bezug auf Medienwirtschaft

rp15 12rp15 11Die Frage nach medialen Geschäftsmodellen der Zukunft wurde hauptsächlich auf dem zum zweiten Mal stattfindenden Schwesterevent Media Convention geführt, welches sich durch eine stärkere medienwirtschaftliche Fokussierung von den Netzthemen der re:publica abgrenzte. In diesem Jahr schienen beide Veranstaltungen einander aber deutlich besser zu befruchten als das noch im Vorjahr der Fall gewesen war. Und so war es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass der Talk von Netflix CEO Reed Hastings auf die größte Bühne der re:publica gelegt wurde. Selbiger ließ sich als angekündigter Entertainment Heilsbringer abfeiern und füllte seine Rolle im Zuge des Talks auch vollkommen aus. Auf den retrospektiven Blick zu seinen erfolglosen Anfängen in der IT-Branche folgte sogleich ohne langes Zögern die Rückkehr in die vom Erfolg gekrönte Gegenwart und die sprichwörtliche zukünftige Weltübernahme – denn ab 2016 will Netflix in jedem Land der Erde verfügbar sein. Bezeichnenderweise kommunizierte er während den abschließenden Fragen vom Publikum immer wieder mit dem Technikpersonal, um sicherzugehen, dass sein mitgebrachtes Best of Netflix Video auch gezeigt werden könne.

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Die Nachwirkungen des NSA-Skandals

Das Gros der Talks war zum Glück deutlich weniger werbelastig und personenbezogen als Hastings One-Man-Show. Auch wenn der Geist eines Mannes – wenn auch in veränderter Form – über vielem hing, das gesagt wurde: Edward Snowden und seine Enthüllungen über NSA und die allumfassende Massenüberwachung wurde in diesem Jahr allerdings deutlich fatalistischer reflektiert als es der kämpferische Esprit der letzten re:publica hätte vermuten lassen. Eine gewisse Ohnmacht schien sich auf Seiten der Internetaktivisten breitgemacht zu haben, die sich daraufhin scheinbar Themen zuwendeten, die im Gegensatz zur staatlichen Massenüberwachung noch Gestaltungspotential mit sich bringen. Die kritische Hinterfragung digitaler Machtverhältnisse bezog sich also weniger auf den Überwachungsapparat als auf Themen wie Netzneutralität oder die Frage nach den Köpfen hinter den Algorithmen, die unser digitales Leben strukturieren.

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Abendliches Kontrastprogramm

Doch zum Glück ging es auf der re:publica nicht nur ernst zu. Wie man weiß lebt ein gutes Festival auch immer von der Ausgewogenheit seiner Programmpunkte. Und so hatten es sich die Veranstalter nicht nehmen lassen, das letzte Drittel eines jeden Festivaltages mit Spiel, Spaß und Unsinn ausklingen zu lassen. Auf diesem Wege konnten sich die von anspruchsvollen Themen überstrapazierten Hirnwindungen der Besucher bei einem ausgewählten Kontrastprogramm wieder regenerieren. Zu den Highlights gehörte hierbei das Meme Jeopardy, bei dem das bekannte Quiz TV Format mit nerdigem Internet-Humor gekreuzt wurde und die versammelte Menge nach jeder Auflösung in johlendem Enthusiasmus zurückließ. Ähnlich unterhaltsam gestaltete sich die Lesung absurde komischer Produkt-Reviews aus Internetshops oder das „6 Degrees of Wikipedia“-Spiel bei dem zwei Kontrahenten sich von einem zufälligen Wikipedia-Artikel schnellstmöglich zu einem anderen durchklicken mussten. Dies stellte bei  irren Wortpaaren wie „Dreißigjähriger Krieg“ und „Auftausalz“ nicht gerade die leichteste Übung dar.

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Zum Abschied: Melancholische Karaoke

Erschien der immer wieder bemühte Begriff der Netzgemeinde angesichts der Besucherzahl von 7000 mittlerweile eher unpassend, war spätestens beim alljährlichen Abschiedsritual das Gemeinschaftsgefühl wiederhergestellt. Das kollektive Karaoke Singen von Queens „Bohemian Rhapsody“, war 2010 spontan eingeführt worden als sich ein Skype-Interview mit Twitter-Gründer Biz Stone ungeplanter Weise verzögerte und re:publica Veranstalter Johnny Haeusler das versammelte Publikum irgendwie bei Laune halten musste. Mit Mut zum Kitsch und schiefen Tönen, schmetterten also auch dieses Jahr hunderte von Kehlen die opulente Pop-Rock-Ballade heraus und boten einen bittersüßen Abgesang auf das Ende der Konferenz.

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Allen, die dieses Jahr nicht anwesend sein konnten, bleibt die Vorfreude auf das 2016 stattfindende zehnjährige Jubiläum der re:publica und die Bild- und Ton-Aufzeichnungen der diesjährigen Vorträge:

Drei der anregendsten Talks
der re:publica 2015:

Ethan Zuckerman: The system is broken – and that’s the good news 

Alexander Gerst: Blue Dot Mission – Sechs Monate Leben und Arbeiten auf der ISS 

Thomas Lohninger: Netzneutralität – Endspurt in Europa

Drei der unterhaltsamsten Talks
der re:publica 2015:

Nudge! Nudge! – Was Design von Verhaltenspsychologie lernen kann 

Meme-Jeopardy

Eric Jarosinski: Losing Hope. Finding Europe. – Utopian Negation Reconsidered.


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Autor:
Jannik

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