Rechtsextremismus im Fußball

Stadion

Studentenfutter vom 20.10.2014

Gäste: Thomas Hitzlsperger und Jonas Gabler

Das Fußballstadion ist ein interessanter Ort. Hier kommen alle zusammen. Ein russischer Oligarch nimmt genauso in seiner VIP-Loge Platz, wie andere auf den Sitzplätzen direkt hinter den Trainerbänken zu finden sind und nicht zuletzt ist da der kleine Mann – eher seltener die kleine Frau –  der sein hart erarbeitetes Geld für die Stehplatzdauerkarte ausgibt. In deutschen Fußballstadien präsentiert sich ein gesellschaftlicher Querschnitt. Trotz dieser Mischung kommt es in eben diesem Umfeld immer wieder zu gesellschaftlichen Tabubrüchen. Diese Ausgabe des Wissenstalks Studentenfutter macht den Rechtsextremismus im Fußball zum Thema.

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Studentenfutter
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Jetzt anhören:
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VON Fabian


und Timo
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In seiner Diplomarbeit mit dem Titel „Ultrakulturen und Rechtsextremismus – Fußballfans in Deutschland und Italien“ beschreibt unser Studiogast Jonas Gabler das Stadionpublikum als ein gesellschaftliches Zerrbild. Zwar findet sich jede Gesellschaftsschicht wieder, dennoch verschieben – und verzerren – sich in der Stadionsituation die Normen des Miteinanders, die außerhalb der Sportstätte unbestritten gelten. Die Polizei unterteilt dieses Zerrbild in die Kategorien A,B und C (normaler Fan, situativ gewaltbereiter Fan, Hooligan). Gabler sieht diese ‚Einteilung nur in Gewaltbereitschaft’  jedoch als problematisch an. Diese hinge zu stark vom situativen Setting ab. ‚Spannender’, so Gabler, ‚ist die Typologisierung mit der Frage: Warum gehen Leute zum Fußball? Welche Ausdrucksformen zeigen sie?  Erstaunlicherweise geht es gar nicht so sehr darum das Fußballspiel zu sehen, sondern um das gesellschaftliche Ereignis.’ Dieses Ereignis wird in erschreckender Regelmäßigkeit von rechtsextremen Zwischenfällen begleitet. Dann werden Sportler schwarzer Hautfarbe bei Ballbesitz mit Affengeschrei bedacht, rechte Parolen skandiert und immer wieder werden auch die Fußballer selbst auffällig.

‚Ich habe nicht alles verstanden, aufgrund der Sprachprobleme, aber ich wusste dort geht es anders zu und man unternimmt viel zu wenig, um mit diesem Problem aufzuräumen.’ – Thomas Hitzlsperger

Rechtsextremismus im Fußball
Im Studio: Jonas Gabler, Moderator Fabian, Thomas Hitzlsperger (v.l.)

Inwieweit die Spieler in der Lage sind, derartige Vorfälle zu bekämpfen, ist schwer zu sagen. ‚Man ist in erster Linie dafür verantwortlich, dass man gut Fußball spielt’, sagt uns Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Dennoch bekommen die Profis natürlich mit, was in den Fankurven vorfällt. Hitzlsperger machte solche Erfahrungen ganz speziell in seiner aktiven Zeit bei dem italienischen Club Lazio Rom, der für seine rechten Fans bekannt ist. ‚Ein Auswärtsspiel weiß ich noch ganz genau. Da war die gesamte Kurve voll mit Italienflaggen und die Fans haben nach dem Duce gerufen. Ich habe nicht alles verstanden, aufgrund der Sprachprobleme, aber ich wusste dort geht es anders zu und man unternimmt viel zu wenig, um mit diesem Problem aufzuräumen.’ Schon während seiner aktiven Fußballkarriere begann Hitzlsperger für den ZEIT-Blog Störungsmelder zu schreiben, der auf journalistischem Weg gegen Rechtsextremismus im Sport Präsenz zeigt.

In Deutschland positionieren sich Sportverbände und Politik klar gegen rechts und setzen dabei auf Aufklärung und Information. So arbeitet beispielsweise die Kampagne „Verein(t) gegen Rechtsextremismus“ mit den Gesichtern bekannter deutscher Sportler und bietet Sportvereinen Hilfe im Umgang mit rechtsextremen Vorfällen. Das Problem entsteht, zumindest im Fußball, zu großen Teilen in der Fanszene. Die offensive Positionierung gegen Rechtsextremismus in Zusammenarbeit mit Faninnitiativen und Ultragruppierungen läge da Nahe, findet sich in der Praxis jedoch kaum wieder. Jonas Gabler weiß aus seiner langjährigen Forschung in Fankreisen jedoch: ‚Man muss sich immer überlegen, wie kann man die Fansszenen mitnehmen und da hilft nicht Konfrontation, nicht der Holzhammer.’ Zusammen mit engagierten Spielern wie Gerald Asamoah oder Thomas Hitzlsperger, Fanvertrauten, wie Jonas Gabler und Offiziellen aus dem Sport, könnten Fanprojekte eine einflussreiche Strahlkraft für den gesamten Sport entwickeln und dafür sorgen, dass rechtes Gedankengut aus dem Fußball verbannt wird.


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Autoren:
Fabian und Timo

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