Pop-Kultur Festival 2016

Das Berliner Festival fand in diesem Jahr in Neukölln statt. | Foto: couchFM.

Konventionalität? Nicht in Berlin-Neukölln.

Mit regionaler Verwurzelung bei gleichzeitig internationaler und interdisziplinärer Ausrichtung startete das noch junge Berliner Pop-Kultur Festival in diesem Jahr in seine zweite Ausgabe. Organisiert von der vom Senat finanzierten Musicboard GmbH, hatte das Pop-Kultur 700.000 € zur Verfügung, um ein Festival zu gestalten, das weitaus mehr als bloße Unterhaltungskunst bieten sollte.

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von HAnnaH M.

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Neben Konzerten wurden dabei in diesem Jahr DJ-Sets, Filmvorführungen, eine Kunstausstellung,Talks und Lesungen mit Künstlerinnen und Künstlern geboten, die unter Anderem Ihren Lebensstil und Schaffen in zusätzlichen Workshops reflektierten und vor allem eins mitbrachten:unbekannte, aufregende Musik voller Erstaufführungen, Premieren und Nie-Dagewesenen.

Eröffnet wurde das Festival mehr oder weniger inoffiziell durch die irischen Post-Rocker Mogwai, die mit ihrem Soundtrack für die BBC-Produktion „Atomic“ schwere Noise und Post-Punk angelehnte Sound-Landschaften durch den prunkvollen und gefüllten Admiralspalast schweben ließen. Die politische Botschaft des atom-kritischen Films, stimmungsvoll inszeniert, blieb eine ganze Zeit lang haften und setzte einen ersten Akzent innerhalb des facettenreichen Konzepts.

Doch insgesamt war eine gute Mischung aus großen Namen und Newcomern für das Festivalkonzept entscheidend.

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Ein ungewöhnliches Line-Up in Berlin: Internationalität, Diversität, Genre-Vielfalt | Foto: Annett Bonkowski, Pop-Kultur

Einer dieser Newcomer ist der Kölner Sänger Roosevelt. Sein neuestes Album, auf City Slang veröffentlicht, hat in diesem Jahr bereits eine kleine Welle der Begeisterung ausgelöst; am ersten offiziellen Abend der Pop-Kultur erwärmte er ein noch sonnengebadetes Publikum mit 70er Jahre reminiszenten Pop-Grooves, auch wenn seine schüchterne Interaktion mit den Konzertgästen in Huxleys neuer Welt seiner Musik nachstand.

Nur wenige Minuten Fußweg entfernt konnte im Schwuz die junge DJane Rroxymore mit einem funk- und groovegeladenen Disco-Set abgefangen werden, gefolgt von der exzentrischen Sassy Black, die nicht nur ihre charakteristische Stimme unter den für sie prägenden „Hologram Funk“ legte, sondern auch noch ein DJ-Set und einen Workshop beisteuerte.

Sehenswert: Den sehr unterhaltsamen Workshop von SassyBlack gibt es hier in voller Länge! | Quelle: Pop-Kultur Berlin, Youtube

Im allgemeinen war eine ausgeglichene Geschlechterbilanz ein erfreulicher Begleiteffekt des Bookings. Im letzten Jahr hatte man mit Nenneh Cherry und Sophie Hunger sogar zwei weibliche Headliner.

Dass es aber auch Kritikpunkte am Pop-Kultur Festival gibt, zeigt schon die Existenz des „Off-Kultur“ Festivals, das im gleichen Zeitraum auch in Neukölln stattfand. Kritisiert wird von Seiten des Off-Kultur Festivals vor allen Dingen, dass sich das Pop-Kultur Festival an der Marke „Neukölln“ bediene, um einen künstlichen Hippness-Faktor zu kreieren und dass die lokale Szene vernachlässigt werde.

Diversität konnte das Pop-Kultur jedoch trotzdem bieten, wie unter Anderem die algerische Band Imarhan zweiten Festivaltag im Heimathafen Neukölln unter Beweis stellte, die treibend-melodische Titel einer beschwingt-tanzenden Menge präsentierten.

Auch Algiers, die mit sozialkritischer Musik den Heimathafen beschallten und zu einer Diskussionsrunde in das Passage-Kino einluden, stellten unter Beweis, dass zumindest ein offenes Ohr für vielfältige Fragen im Rahmen des Pop-Kultur Festivals gegeben ist.

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Ein intensiver Auftritt der Algiers im Heimathafen. | Foto: couchFM.

Eine echte Besonderheit im Festivaldschungel stellt außerdem das professionelle Nachwuchs-coaching durch erfahrene Musikerinnen und Musiker, im Rahmen von 10-30 Personen umfassenden Workshops, dar. Rund 250 junge Nachwuchsschaffende im Kunstbereich können die jeweiligen Kleingruppen sich im Bereich der Musikproduktion ebenso wie im Musikrechtlichen oder in der Promotion beraten lassen.

So vermittelte auch ein Urgestein der elektronischen Musik, Matthew Herbert, in seinem Workshop wichtige und hilfreiche Expertise. Seine Phantasie hingegen offenbarte er in einer halbstündigen Lesung. Als „neuronales Experiment“ gedacht, trug Herbert humorvoll und selbstironisch sein neuestes Album, oder eher eine sehr komplexe Klangwelt, als Buch vor und schuf damit einen eindringlichen Bilderfluss.

Intensiver noch konnte der US-amerikanische Künstler John Roberts seine Musik durch einen für jeden Titel seines neuen Albums „Plum“ entworfenen Kurzfilm vermitteln. Die Gäste des Passage-Kino erfuhren mit jedem Schnitt im Film einen neuen Klangaspekt in den komplex zusammengefügten Collagen; wie das Pop-Kultur insgesamt ein bereicherndes, aber auch forderndes Erlebnis, das sich vom gängigen Festival-Unterhaltungszyklus abheben konnte.


Weiterführende Links

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Autoren:

Hannah M. &
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