Plurale Ökonomik

Mehr Vielfalt, bitte!

Studenten der Volkswirtschaftslehre fordern mehr Theorienvielfalt und Realitätsbezug in ihrem Fach. 30 studentische Initiativen gibt es mittlerweile im deutschsprachigen Raum, die sich im Netzwerk Plurale Ökonomik zusammengeschlossen haben. Unsere couchFM-Reporter Simon und Steve haben sich von einem Vorstandsmitglied des Netzwerks erklären lassen, was genau kritisiert wird und wie eine bessere VWL-Lehre aussehen könnte.


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UNIDSCHUNGEL
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VON Simon

Steve


von Steve
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„Wieso hat sich die VWL-Lehre nach der Finanzkrise nicht verändert?“,  „Wieso sieht mein VWL-Professor auch dort Gleichgewichte, wo keine sind?“, „Wieso nimmt mein Professor andere Sozialwissenschaften nicht ernst?“ Diese und andere Fragen befinden sich gedruckt auf farbigen Aufklebern. Sie sind Teil einer Kampagne des Netzwerks Plurale Ökonomik. Die Antworten auf diese Fragen können auf der dazugehörenden Kampagnenseite www.pluralowatch.de nachgelesen werden, die  Kurzantwort aber lautet in jedem Fall: Die VWL steckt „in der Krise“ oder auch „in der Sackgasse“.

Mit diesen Stickern macht das Netzwerk Plurale Ökonomik auf sich aufmerksam

Das Netzwerk kritisiert einen Mangel an Theorienvielfalt in den Wirtschaftswissenschaften. Während in anderen Sozialwissenschaften der Gegenstand aus verschiedenen Theorie-Blickwinkeln betrachtet wird, sei die VWL auf eine Denkschule fokussiert: die Neoklassik, oder genauer, die neoklassisch-neukeynesianische Synthese. Ebenso fehle es im Studium an ethischer Reflexion über das eigene Tun und dem Beschäftigen mit Wirtschafts- und Dogmengeschichte. „Man hat sich so ein bisschen verrannt in mathematisch-formalen Modellen, die aber leider nicht mehr viel mit der Realität zu tun haben“, findet auch Lino Zeddies, Mitglied bei den „Kritischen Wirtschaftswissenschaftlern“ (kurz: „Kriwis“) an der FU Berlin und seit kurzem auch Vorstandsmitglied im Netzwerk Plurale Ökonomik.

Lino Zeddies (l.) im Gespräch mit couchFM-Reporter Simon

Die Forderungen der VWL-Kritiker lassen sich in 5 Säulen unterteilen: Methodenpluralismus, Theorienpluralismus, ethische und wissenschaftstheoretische Reflexion, historische Fundierung und mehr Interdisziplinarität.

Führ mehr Theorienvielfalt haben sich erstmals französische Wirtschafts-Studenten Anfang der 2000er Jahre eingesetzt. Kurz darauf gründete sich auch in Deutschland der erste Arbeitskreis. Seit 2012 fungiert das Netzwerk Plurale Ökonomik als Dachorganisation der 30 Hochschulgruppen im deutschsprachigem Raum.

Kritisiert werden die Forderungen des Netzwerks von den „etablierten Mainstream-Ökonomen“. Diese betrachteten die Aktivisten ursprünglich teilweise als rückwärtsgewandte,  verbohrte Marxisten, mittlerweile aber wachse langsam die Akzeptanz, sagt Lino Zeddies. Dies mag auch an den Aktivitäten der Hochschulgruppen liegen, mit denen der Dialog gesucht wird. So bieten die Kritischen Wirtschaftswissenschaftler beispielsweise seit 3 Semestern eine Ringvorlesung zu alternativen Denkschulen an. Dies ist der bestbesuchteste Wahlkurs, man bekommt super Feedback von den Studenten,  erzählt Lino Zeddies stolz. Darüber hinaus bieten die „Kriwis“ Filmabende an und laden regelmäßig Professoren zum „bunten Sofa“ ein, bei dem im kleinen Rahmen sehr interessante Gespräche stattfinden, so Lino Zeddies.

Neben den „Kriwis“ gibt es in Berlin auch noch die Hochschulgruppe „Was ist Ökonomie?“ an der HU. Sie bieten Tutorien an, in denen sie sich intensiv mit einer Thematik beschäftigen, in diesem Semester z.B. mit „Schuld und Schulden“. „Aber die haben es schwieriger, überhaupt einen Raum zu organisieren, weil die Professorenschaft die fast aktiv bekämpft und das überhaupt nicht unterstützt. Da haben wir es an der FU deutlich leichter“, berichtet Lino Zeddies.

Lino Zeddies schwant, dass es für grundlegende Veränderungen in der VWL noch lange Zeit brauchen wird. Bislang seien Vertreter einer heterodoxen Lehre jedenfalls an den wirtschaftswissenschaftlichen Instituten marginalisiert oder kämen gänzlich von anderen Fachbereichen. Die Dialogmöglichkeiten seien begrenzt, sagt er. Der größte Hebel für Veränderungen bestehe darin, wie Professuren an den Fachbereichen besetzt würden.


Weiterführende Links:

Netzwerk Plurale Ökonomik

Die “Kriwis” an der FU

“Was ist Ökonomie?” an der HU


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Steve

Autoren:
Simon

& Steve

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