Nichtstun 3: Tagträumen

Nichtstun 3 Tagträumen Titel

Nichtstun
Teil 3: Tagträumen

Nachdem wir uns im Zuge der Reihe „nichtstun“  mit dem Tagträumen befasst haben,widmen wir uns diese Woche dem Thema Tagträumen. „An was denkst du gerade?“ auf diese Frage gibt es in einer Beziehung meist nur eine Antwort. „Ach, nix“. Doch der glasige Blick verrät es: der Partner befand sich allem Anschein nach gerade in einer bunten Traumwelt. Raus aus dem tristen Alltag, den alltäglichen Routinen. Die Flucht in eine eigene Fantasiewelt –  einfach nur weg.

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VON Susann
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Tagträumen ist eine Kunst. Eine Kunst das Nichtstun in alltägliche interessante Gedankenreisen zu verwandeln. Knapp 1/3 unseres Tages verbringen wir damit. Dabei haftet dem Tagträumen schon länger ein negativer Beigeschmack an. Forscher der Harvard Universität fanden heraus, dass Probanden, die vor sich hin träumten danach unglücklicher waren. Der Grund ist das Gefühl während dieser Zeit unproduktiv gewesen zu sein. In einer modernen Leistungsgesellschaft wird einem als Kind schon gelehrt, nicht vor sich hin zu träumen. Das Ziel dahinter:  leistungsfähige Persönlichkeiten erziehen, die ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren. Mit dem Träumer assoziiert unsere Leistungsgesellschaft einen Naivling, der mit den Anforderungen der modernen Gesellschaft nicht klar kommt.

Dieser negative Beigeschmack war nicht immer vorhanden. Die Fähigkeit zwischen verschiedenen Aufmerksamkeitsbereichen zu wechseln war schon bei unseren Vorfahren wichtig. Damals ging es schlicht um das Überleben. Werden bestimmte Gehirnregionen stark beansprucht, kommt es zu Ermüdungserscheinungen. Unsere Vorfahren mussten sich auf viele mögliche Bedrohungen konzentrieren. Ohne gelegentliche Träumereien dazwischen, wäre es ihnen nicht möglich gewesen, über längere Zeit diese Leistung zu vollbringen. Diese Fähigkeit hat sich das menschliche Gehirn bis heute erhalten. Heute nötig, um einer modernen Welt mit permanenten Eindrücken ab und an zu entfliehen und ist somit ein Schutzmechanismus des Gehirns.

Auch nicht ausgelebte Wünsche können Bestandteil unserer Träumereien sein. So baten Schwedische Ethnologen ihre Studenten Tagträume aufzuschreiben, von denen sie dachten, nur sie hätten solche Gedanken. Die Überraschung: zwei Gedanken wurden ganz häufig genannt: Sie malten sich den Tod aus, sei es ihrer oder der von anderen und dass sie sexuelle Gewalt ausüben oder erfahren. Spannenderweise trafen diese Tagträume auf Männer und Frauen gleichermaßen zu.

Auch viele Gefängnisinsassen flüchten sich in eine andere Welt und werden Schriftsteller. Sie schreiben auf, was ihnen durch den Kopf geht. Eine  Art Selbsttherapie, um die lange Zeit und den tristen Alltag in Haft zu vergessen. Wichtige, bis heute bedeutende Schriften gingen daraus hervor, wie z. B. Nelson Mandelas Autobiographie.

Neben dem Tagträumen, gibt es auch Alptagträume, sogenannte Daymares. Also die Vorstellung, es passieren schlimme Ereignisse. Was mache ich, wenn ich überfallen werde? Wie reagiere ich, wenn mir auf der Autobahn ein Falschfahrer entgegen kommt? Möglichkeiten, die das Gehirn durchspielt, um in einer tatsächlichen Gefahrensituation schnellstmöglich reagieren zu  können.

Das Tagträumen ist also nicht einfach nur Nichtstun. Man plant, entscheidet, spielt die Zukunft durch. Entscheidungen werden zuerst im Kopf gefällt und dann in die Realität umgesetzt.


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Autorin:
Jenni

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