Metamorphosen – Zeitschrift für Literatur und Kultur

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© Lena Hegger/Luisa Preiß

Jede Ausgabe ist eine kleine Neuerfindung

Vielleicht ist euch im Foyer der Germanistik der HU oder auch an der Mensa der FU schon mal ein Stand mit Leuten aufgefallen, die einfarbige, kleinformatige Zeitschriften mit auffälliger Typogafie darauf und viel Literatur darin verkaufen…es handelt sich um die studentische Literaturzeitschrift Metamorphosen! CouchFM-Reporterin Sofie hat sich anlässlich der neusten Ausgabe mit Redaktionsmitglied Luzia getroffen, um über die Geschichte der Zeitschrift, den Arbeitsalltag der Redaktion und aktuelle Tendenzen in der Szene zu sprechen.

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KULTURKOMPASS

VON Sofie

„Es dämmerte bereits, resp. noch. Die Luft über dem Boden war diesig, als hätte sich die Sonne in der Erde eingegraben. Die Straßen waren voller Menschen, die angespannt an ihren Tischen saßen oder wortlos Hopscotch spielten. Kein Wagen fuhr, nirgends Der Supermarkt war voller weinender Kinder, die sich um die Kassen versammelten wie Tauben; dass wir sie nicht alle hätten trösten können, war ein deprimierendes Gefühl. Beim Verlassend es Supermarktes hörte ich wie jmd. sagte: „Mama, deine Wohnung wird nicht von Geistern heimgesucht, du bist nur einsam.“

Eine düstere Stimmung zieht sich durch den dystopischen Text „Besuch.docx“ von Juan S. Guse, der in der neuen Ausgabe der studentischen Literaturzeitschrift Metamorphosen erschienen ist. 16 Texte versammeln sich unter dem Thema „Gespenster“, Prosa und Lyrik, daneben Interviews mit Autoren, Essays und eine Kolumne.

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© Lena Hegger/Luisa Preiß

Seit dreieinhalb Jahren und 16 Ausgaben gibt es die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift für Literatur und Kultur in dieser Form. 1991 in Heidelberg gegründet und dort bis 2000 von Studenten geführt, übernehmen die jetzigen Herausgeber Moritz Müller-Schwefe und Michael Watzka die Zeitschrift 2013 in Berlin – mitsamt des Namens „Metamorphosen“, der schon zeigt, dass sich das Magazin mit jeder neuen Ausgabe ein wenig neu erfindet.

Wie Luzia sind alle Redaktionsmitglieder Studenten, und auch die Autoren sind oftmals jung und experimentierfreudig. Alles, was im Heft erscheint wurde zuvor noch nirgendwo veröffentlicht. Das Magazin versteht sich als „Seismograph“ für junge Literatur. Trotzdem konnten auch schon Interviews mit bekannten Autoren wie Jonathan Franzen oder Daniel Kehlmann geführt werden.

Die Zeitschrift entwickelt sind ständig weiter und professionalisiert sich. Seit 2015 erscheint sie im Verbrecher Verlag, ihr auffälliges Layout kam durch eine Kooperation mit der Fakultät für Gestaltung der FH Potsdam zustande. Um einen festen Kern herum finden sich immer wieder neue Mitglieder in der Redaktion ein, die demokratisch funktioniert. Jeder ist hier am Auswahlprozess der Texte beteiligt und kann auch selbst etwas beisteuern. Manchmal schreiben Redaktionsmitglieder Autoren gezielt an, die meisten Texte kommen aber über den regelmäßig ausgerufenen „call for papers“ zu ihnen.

Der Ansatz, jede Ausgabe unter ein Thema zu stellen, besteht von Anfang an und ist dabei sehr frei: Von „Science Fiction“, dem „Weitermachen“, „Sex sells“, über den „Wahnsinn“ bis hin zu einer Berlinbezogenen und einer Sonderausgabe nur mit Lyrik reicht die Spannweite. Immer geht es darum, aktuelle Tendenzen in der Literaturlandschaft aufzuspüren. Dabei verfolgen die Redaktionsmitglieder keine feste Programmatik, sondern wählen stets danach aus, ob der Text etwas mit ihnen selbst macht und auch den Leser interessieren könnte.

Diese Leser sind zu einem Großteil Studenten oder akademisch geprägt wie die Herausgeber selbst. Aber an sich ist die Zeitschrift etwas für jeden, der sich für Literatur interessiert. Besonders sind dabei der sehr geringe Preis und bestimmt auch die studentische Perspektive der Redaktion.

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Die Metamorphosen in der Literaturpassage des Museumsquartiers Wien | © Redaktion Metamorphosen

Jetzt gerade steht die Zeitschrift vor einer neuen Entwicklung: Die Hefte sollen in den Buchhandel kommen. Dazu muss der Preis von 4 auf 7,50€ leicht angehoben werden, denn die Metamorphosen finanzieren sich nur über den Verkauf und Anzeigen im Magazin. Die meisten der Redaktionsmitglieder beenden bald ihr Studium, die Metamorphosen sollen dann zwar weiter für Studenten erschwinglich sein, aber auch weiter professionalisiert werden und den Kontext der Uni verlassen.

Immer im Wandel also, was aber bleibt: Die Liebe zu guten, und diesmal sehr gespenstischen Texten…

Die Zeitschrift kann im Webshop oder in einigen auf der Website aufgelisteten Buchhandlungen gekauft werden, sowie beim Verlag direkt.

Ein Besuch auf dem Blog lohnt sich, weil dort auch immer aktuelle Essays und nicht im Heft veröffentlichte Beiträge zu finden sind.


Weiterführende Links

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Verbrecher Verlag


Autorin:
Sofie