Der musikalische Schmelztiegel:
„No Borders“ in Ferropolis

Foto: Christian Hedel

Dass sich ein alternatives Musikfestival — in Anbetracht einer durch Abgrenzung und Xenophobie geprägten weltpolitischen Lage — den Slogan „No Borders“ auf die Fahne schreibt, entspricht wohl dem gemeinschaftlichen Konsens der vielen tausenden Festivalbesucher auf dem diesjährigen MELT-Festival. Doch der Leitspruch „No Borders“, der 22. Festival-Edition, ist nicht ausschließlich politisch zu verstehen, sondern unterstreicht insbesondere die Haltung der Festivalveranstalter gegenüber dem gebotenen musikalischen Programm.

Diese grenzenlose Vielfalt an Musik und Entertainment erstreckte sich für die knapp 20.000 Besucher an 4 heißen Julitagen über insgesamt 6 Bühnen. Neben den 3 traditionsträchtigen Bühnen namens MELT-Stage, Gremmin Beach und dem Big Wheel, ließen sich fernab von den kolossalen Schaufelbaggern und den sich in Techno-Schwaden suhlenden Menschenmassen auch kleinere Bühnen entdecken. Die im nahegelegenen Wald beheimatete Forest Stage und Sensi Stage sorgten vor allem unter der heißen Mittagssonne für jede Menge Tanzfreude im Schatten des mit kreativen Lichtinstallationen dekorierten dichten Grün. 

Wer sich hier gerne aufhielt, konnte sich treiben lassen und den „No Borders“-Slogan noch einmal in einem ganz anderen Licht kennenlernen. Denn wer kennt den zeitlichen Druck nicht, der einem beim Besuch von Festivals in Verbindung mit großen Acts wie BON IVER, DAVID AUGUST oder SOLOMUN auf verführerische Manier aufgehalst wird. Tanzlustige MELT-Besucher, die sich also nicht einmal durch die verrinnende Zeit eingrenzen lassen mochten, konnten sich hier dem festival-typischen Druck, „bloß keinen Act zu verpassen“, vollends entziehen.

Foto: Christian Hedel

Trotz undurchdringlicher Idylle, charmant kuratierten Bühnen mit Nischen-Programm und besonnenen Publikum mit einem scheinbar grenzenlosen Zeitkontingent, offenbart sich das MELT-FESTIVAL vor allem nachts gerne als schrille, hastig tobende und laute Klanglandschaft. Letztere hatte es in diesem Jahr faustdick hinter den Ohren. Neben den Feingeistern aus der elektronischen Sparte wie dem deutschen Ausnahmemusiker DAVID AUGUST oder dem Briten FOUR TET, zeigten sich ebenfalls das Berliner Kult-Duo und Techno-Hardliner MODESELEKTOR oder auch der unermüdliche SOLOMUN mit viel Engagement an den Reglern.

Doch das MELT wäre nicht das MELT, wenn es seinem Ruf als musikalischer Schmelztiegel nicht nachkommen würde. Das äußerst mutige, aber facettenreiche Booking legte neben dem benannten Techno-Imperium auch ein besonderes Augenmerk auf die Rap-Szene und angelte sich zusätzlich gleich zwei Hochkaräter aus der Indie-Branche: BILDERBUCH und BON IVER. Während sich ein großer Teil des Publikums von elektronischen Klängen umwölkt bis ins Morgengrauen schleppte, erprobten sich andere Besucher in den unzähligen und ungestümen Mosh Pits während der Auftritte der aufstrebenden Grime- und Hiphop-Koryphäen SKEPTA, RIN, STORMZY oder auch YUNG LEAN.

Foto: Nicola Rehbein & Jen Krause

Um das Festival in der Nacht von Sonntag auf Montag zu beschließen, versammelten sich einmal mehr tausende Besucher vor der MELT-Stage und zelebrierten die musikalische Vielfalt der 22. Festival-Edition in Form eines faszinierend eklektizistischen BON IVERs.


Weiterführende Links:

Melt 2019 Official Aftermovie

Melt 2019 Lineup


Autor:

MaikeH

André