Laborhaut schlägt Labormaus

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Die Hautmodelle haben einen Durchmesser von 6mm. | Foto: Christian Zoschke

Forschung nach Alternativen zu Tierversuchen an der FU

Was haben zwei Millionen Mäuse, zwanzigtausend Meerschweinchen und viertausend Hunde gemeinsam? Sie wurden 2014 in Tierversuchen in deutschen Laboren eingesetzt. Denn bevor ein neues Medikament in der Apotheke, oder eine neue Chemikalie in unserem Haushaltsreiniger landet, durchlaufen sie unzählige Anwendungen im Labor. Ihre Sicherheit für den Menschen wird in schmerzhaften Versuchen an Mäusen, Meerschweinchen und Hunden getestet.

Tierschutzvereinigungen und Industrie streiten seit Jahrzehnten über die Notwendigkeit und den Nutzen dieses Vorgehens. Immerhin: Für Kosmetika gilt seit 2013 ein auf EU-Ebene beschlossenes Tierversuchsverbot. In der Arzneimittelherstellung ist die Sachlage hingegen anders: Dort ist der Einsatz von Tierversuchen gesetzlich vorgeschrieben. An der Freien Universität arbeitet eine Gruppe von Wissenschaftlern an möglichen Alternativen, die Tierversuche in der Arzneitmittelentwicklung ersetzen könnten. couchFM-Reporterin Lea hat sich mit der Projektleiterin Frau Prof. Schäfer­-Korting über ihre Forschung und deren Grenzen unterhalten.

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UNIDSCHUNGEL
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VON Lea
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Die Forschung nach Alternativen schlägt sich auch in der Lehre nieder

Seit über zwanzig Jahren wird an der FU Forschung zu diesem Thema betrieben. Der Fokus liegt für Frau Schäfer-Korting und ihre Mitarbeiter auf dem Organ Haut. Das sei ein sehr dankbares Organ, da man viele Auswirkungen, wie etwa Hautausschlag gleich sehen könne. An der FU züchten sie künstliche Hautmodelle, an denen zukünftig neue Wirkstoffe getestet werden können. Die Verwendung von diesen Modellen hat große Vorteile im Vergleich zu den Versuchen an Tieren. Die Haut von Nagetieren ist sehr viel dünner und behaarter als menschliche Haut, es lassen sich also schwer Rückschlüsse auf Reaktionen in der menschlichen Haut ziehen. Die künstlichen Hautmodelle könnten in Zukunft also einige Mäuse und Meerschweinchen ersetzen.

Die Wissenschaftler arbeiten mit einem von ihnen entwickelten Modell eines Haut-­Ekzems, um die Wirkung von Cortison­-Cremes messen zu können. Dabei achten sie besonders auf Vorgänge wie die “Verdünnung” der Haut und darauf, wie tief diese Präparate in das Organ eindringen. Auch wenn diese alternativen Testverfahren einen großen Fortschritt in der Forschung bedeuten: Gänzlich ersetzen können sie Tierversuche nicht. Denn im menschlichen Körper spielen die verschiedenen Organe immer zusammen, sie kommunizieren mit­- und reagieren aufeinander. Um dieses Zusammenspiel darstellen zu können, entwickeln Wissenschaftler an der TU einen “Multiorganchip”. Mit diesem Chip können auch Prozesse, die zwischen Organen ablaufen, analysiert werden.

Zusammenarbeit über Forschungsplattform

Die universitätsübergreifende Zusammenarbeit wird durch die Berlin-­Brandenburger Forschungsplattform “BB3R” gefördert. Das Prinzip der 3R strebt die Ersetzung, Reduzierung oder, wenn sie nicht zu vermeiden sind, die Verbesserung von Tierversuchen an. Sie sollen „replaced“, „reduced“ und „refined“ werden. Der Fokus der Forschungsplattform liegt nicht nur auf den Projekten an sich, sondern auch an der Ausbildung des Forschernachwuchs. So wurde ein Graduiertenkolleg gegründet, in dem angehenden Wissenschaftlern die ethischen Aspekte der Wissenschaft, die Alternativen, aber auch die Notwendigkeit von Tierversuchen vermittelt wird. Außerdem werden Lehrveranstaltungen zu dem Forschungsfeld angeboten. Für dieses Lehrangebot wurde den Koordinatoren der Plattform der “Preis des Landes Berlin zur Förderung von Ersatz ­ und Alternativmethoden für Tierversuche 2015” verliehen.

An der FU wird in diesem Jahr noch eine weitere Professur zur Erforschung der Alternativmethoden eingerichtet. Damit soll das Forschungsfeld an der Universität gestärkt und für die Zukunft fest verankert werden. Zukünftig wird sich dieser Forschungsfokus also auch in der Lehre auswirken. Neben den Angeboten für Doktoranden, soll nun bereits auf Master­Ebene die Möglichkeit bestehen, sich den 3R zu widmen.

Weiterführende Links:

Forschungsplattform BB3R
Forschung am Institut für Pharmazie der Freien Universität


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Autorin:
Lea

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