Komponisten-Portrait: Johannes Kreidler

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Komponisten-Portrait: Johannes Kreidler
Ist das Musik, oder kann das weg?

Johannes Kreidler ist einer der aktivsten und meist diskutierten Komponisten der Neuen Musik. Mit seinem »Neuen Konzeptualismus« geht er an die Grenzen dessen, was Musik ist. Im Interview spricht er über seine Kunst und das Unverständnis, auf das sie stößt.

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MUSIKNERDS
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Von Jonas


und MARIE
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Ja es gibt sie noch die klassischen KomponistInnen, die Stücke für Streichquartett und Orchester schreiben, nur sieht das bei Johannes Kreidler ganz anders aus. Erstens komponiert er selten für traditionelle Besetzungen, sondern lieber für ungewöhnliche Ensembles (Keyboard, Flöte, Schlagzeug, Elektronik). Zweitens darf seine Musik nie bloß Musik sein. Sie muss eine Message haben.

Unter dem Begriff »Neuer Konzeptualismus« fasst Kreidler diese Musikform zusammen. Im Zentrum eines Stückes steht nicht der Klang, sondern das Konzept, das dahinter steht. Soll es in einem Werk also um das Thema der Ausbeutung der Dritten Welt gehen, so überlegt sich Kreidler nicht, wie man es ästhetisch umsetzen könnte. Er beutet lieber selber aus. So lässt er Komponisten aus Schwellenländern für ihn komponieren, bezahlt ihnen einen Dumpinglohn und veröffentlicht das Stück dann unter seinem Namen. Den passenden Titel bekommt es auch noch: Fremdarbeit. Weitere konzeptuelle Stücke Kreidlers wären unter anderem Product Placements, Call Wolfgang oder Charts Music.

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Johannes Kreidler im Q-Tutorium

Es versteht sich von selbst, dass solche Aktionen nicht nur auf Jubel stoßen. Kreidler wird derzeit in der Neuen-Musik-Szene kontrovers diskutiert. Umso mehr freuten sich die TeilnehmerInnen des Q-Tutoriums »Cage ist tot! Komponieren heute« im Musikwissenschafts-Institut der HU (Leitung: Laura Weber, Matthias Knop, Jonas Reichert), als Kreidler kurz vor Weihnachten ihnen einen Besuch abstattete. Anderthalb Stunden lang diskutierten sie über seine Ästhetik, seine Musik und über die Stellung der Neuen Musik in der Gesellschaft. Selten kommen Musikwissenschaftsstudierende einem Komponisten so nah.

Kreidler, der sich als modernen Komponisten versteht, verknüpft seine Musik immer mit anderen Medien und macht sich vor allem das Internet zunutze, wo er gerne kleine Videos seiner Kunstaktionen veröffentlicht. Ob aber das Zerkauen von Gitarrensaiten noch Musik ist, ist schwer zu beantworten (Guitar Piece aus: Diminuendo by Shame). Für Kreidler gilt jedenfalls der Grundsatz: Musik ist nur dann wirklich neu, wenn man sich fragt, »ist das Musik, oder kann das weg?«.

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Johannes Kreidler und couchFM-Reporter Jonas im Gespräch

Weiterführende Links:

Homepage von Johannes Kreidler

Kulturtechno.de


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Autorinnen:
Marie und Jonas

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