Into the dark

Logo des Dunkelrestaurants unsicht-Bar in Berlin
(Quelle: unsicht-bar-berlin.de)

Arbeitsalltag im Berliner Dunkelrestaurant unsicht-Bar

Wenn wir essen, tun wir das gewöhnlich mit all unseren Sinnen: Wir hören es in der Pfanne brutzeln, während uns der Duft frischer Gewürze in die Nase steigt; wir freuen uns über den Anblick eines schön zubereiteten Gerichts, nehmen die Gänsekeule auch mal beherzt in die Hand und lassen es uns schließlich richtig schmecken. Was ist jedoch, wenn uns einer dieser Sinne bewusst genommen wird?

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GESPRÄCHS-
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Jetzt anhören:
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VON Jessy Lee
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Das Berliner Dunkelrestaurant unsicht-Bar zeigt seinen Gästen, was es bedeutet, Essen einmal ganz anders zu erleben – nämlich in absoluter Dunkelheit. Hier heißt es Ohren spitzen, Geschmacksnerven mobilisieren und das Essen erfühlen. Während die Gäste Abend für Abend ins unsicht-Bar strömen, um sich dieser einmaligen Erfahrung hinzugeben, gehört es für die Kellner im Dunkelrestaurant zur Normalität, nicht sehen zu können. Auch der 48-jährige Berliner Hedi hat seinen Sehsinn vor vielen Jahren verloren und arbeitet seit nunmehr 10 Jahren im Dunkelrestaurant. CouchFM hat er nun im Interview erzählt, wie sich der Arbeitsalltag unter diesen Bedingungen gestaltet.

Licht ist auch hier erlaubt – aber nur im Empfangsraum
(Quelle: unsicht-bar-berlin.de)

Bevor das Schlemmen für die Gäste losgehen kann, werden diese zunächst von Hedi empfangen und vorsichtig in die Dunkelheit des Restaurants geleitet. Am Platz angekommen, erklärt Hedi Schritt für Schritt wo sich was auf dem Tisch befindet, damit sich die Gäste allmählich an die ungewohnte Situation gewöhnen können. Muss mal eben ein Gast auf die Toilette oder hat einen besonderen Wunsch, ist Hedi sofort zur Stelle. Damit er sich dabei jedoch mit seinen Kollegen nicht in die Quere kommt, verständigen sich die Kellner untereinander mit dem Schnipsen der Finger oder dem Schnalzen der Zunge. Neben verschiedenen Geräuschen zur Orientierung im Restaurant ist auch das räumliche Vorstellungsvermögen bei den Angestellten das ‚A und O‘, um einen reibungslosen Arbeitsablauf zu sichern. Schritte werden nicht gezählt – dafür ist die Zeit bei Hochbetrieb viel zu knapp. Dafür hat Hedi jeden Winkel des Restaurants genau im Kopf. Hin und wieder sind es jedoch die Gäste, die Hedi durch übermäßige Lautstärke oder fehlendes Verständnis aus dem Konzept bringen. Da muss eben mal kurz auf den Tisch geklopft werden und schon kann’s weiter gehen.

Damit im Restaurant aber wirklich nichts schief gehen kann, braucht Hedi vor allem eines: seine geschärften Sinne. Neben seinem Tast- und Geruchssinn verlässt er sich am meisten auf sein Gefühl. So erfährt Hedi beispielsweise über die Stimme mehr über eine Person, als so mancher vermuten mag. Bei der Begrüßung seiner Gäste achtet Hedi daher genau darauf, wie sich diese ihm gegenüber verhalten, sodass er sich auf die individuellen Charaktere optimal einstellen kann. Häufig kommt da auch einmal die Frage, wie sich Hedi seine Gäste konkret vorstellt. Nicht selten trifft der Berliner dabei genau ins Schwarze.

Die Arbeit im Restaurant bedeutet für Hedi jeden Tag letztendlich eine neue, spannende Herausforderung. Wie er dabei die ein oder andere, zum Beispiel, neugierige Kinder, noch so meistert – das hört ihr nur bei uns.


Weiterführende Links

Unsicht-Bar-Berlin


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Autor_In:

Jessy Lee

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