Balthazar

„It’s about small stuff.“

Foto: Boby Allin

Seit gut 15 Jahren sind die Belgier fester Bestandteil der Indieszene. 15 Jahre voller Hochs und Tiefs, weshalb auch zwischenzeitlich die Luft raus war. Wie man mit aufkommender Müdigkeit und Monotonie als Musiker umgeht, verraten Maarten Devoldere und Jinte Deprez – die Frontmänner und Gründungsmitglieder der Band.


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Drei erfolgreiche Alben und non stop Touring. Eigentlich etwas, worüber man sich als Band freuen sollte. Die Band Balthazar tat dies auch, lies sich aber so energisch in die Musikkarriere fallen, dass es einer Pause bedurfte. Jinte und Maarten bemerkten, dass Zeit für etwas anderes war. Zum Glück! Zwei wundervolle Soloprojekte waren die Konsequenz. Maarten Devoldere stand als „Warhaus“ und Jinte Deprez als „J. Bernardt“ auf der Bühne. Während dieser Zeit besuchten die beiden Musiker sich auch gegenseitig auf ihren Konzerten und verspürten bei diesem Erlebnis eine gewisse Eifersucht gepaart mit Stolz. Die Gefühle und Erfahrungen, die die beiden hierbei sammelten waren schließlich auch der Antrieb, sich wieder gemeinsam als Band zusammen zu finden und einen neuen Sound zu kreieren. Dieser ist deutlich hörbar auf ihrem vierten Album „Fever“, mit dem sie nun wieder auf Deutschlandtour gehen. Zwar klingt der Sound immer noch typisch Balthazar – bass- und streicherlastig- nimmt aber auch Einflüsse wie Elektro, Soul und RnB mit auf. Dies lässt sich laut Jinte und Maarten als Reifeprozess der Band verstehen. Nicht nur musikalisch, auch inhaltlich haben sie sich verändert. Haben sie zuvor noch über große Visionen und Probleme gesungen, so ist es jetzt „all about small stuff“. Reflektiert und selbstbewusst verrät Maarten Devoldere, dass auch sie keine Ahnung vom Leben hätten. “Je älter du wirst, desto mehr bekommst du das Gefühl, dass du eigentlich keine Ahnung vom Leben hast.“ Aber wer hat das schon? Das Gefühl kollektiver Ungewissheit und Probleme aus dem Alltag bestimmen nun ihre Texte.

Foto: nemodelradio.sk

Neben dem Sound und dem Inhalt hat sich auch ihre Einstellung gegenüber dem Musikmachen verändert und lässt auch hier eine reifere Perspektive auf die Dinge anmuten. „We keep a healthy vision of making music“ ist Jinte Deprez‘ Einschätzung, weshalb es nun wieder rund läuft. Das Wichtigste sei, Musik zu machen, die einen selbst belebt und nicht in Monotonie verfallen lässt, verrät er. „Du willst stolz sein auf das, was du da machst.“ So fungierte die Soloauszeit der beiden Frontmänner wie ein Katalysator, der sie als Band antreibt und sie die Dinge viel klarer sehen lässt. Fast klingt es egoistisch, wenn Jinte Deprez die Motivation hinter dem Ganzen verrät: „wir machen es für uns! Je ehrlicher du bist, umso mehr können die Leute damit was anfangen.“ So lässt sich dem wohl nur zustimmen, denn Ehrlichkeit wehrt bekanntlich immer noch am längsten.


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Autorin:

Maike Huckschlag