Schimpfen gegen Corona

DISCLAIMER: Dieser Text ist entstanden bevor die Assis den Reichstag stürmen wollten (Samstag, 29.08.2020: 14: 30 Uhr)

Passend zu den aktuell steigenden Infektionszahlen, treffen sich auch dieses Wochenende wieder tausende „Corona-Gegner“, um gegen die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu protestieren. Ohne Abstand und Masken natürlich. Denn wir alle wissen ja, dass das Virus lediglich ein Konstrukt der Meinungsdiktatur Merkels ist. Logisch. Mit den Mitteln und Wegen des Rechtsstaates gegen den Rechtsstaat vorgehen. Das muss man auch erstmal schaffen diese Denkweise zuzulassen. Aber was soll man machen, wenn man in einer vermeintlichen Diktatur lebt. Richtig, man bedient sich den Mitteln der Demokratie.

Dummerweise fühlen sich eben jene Personen, die doch so fest davon überzeugt sind, man würde hier in Deutschland zum einen in einer BRD GmbH und zum anderen in einer Diktatur leben, nun durch ein Gerichtsurteil nur noch mehr in ihrer Position bestätigt. Hatte man doch letzte Woche schon Demonstration zu Gedenken des Attentats in Hanau aufgrund von Corona abgesagt, sollte auch die #b2908-Demo abgesagt werden. „Doch nicht mit uns“, hieß es da aus den Reihen der Querdenker und Systemstrotzer.

Mit auf den Boden trommelnden Fäusten und viel Geschrei wurde beim Verwaltungsgericht durchgeboxt, dass eine der unsinnigsten Demos in aktueller Zeit stattfinden kann. Ein großer Erfolg für die einen, ein Schlag in die Magengrube für den Rest von uns, der sich die letzten Monate den Arsch aufgerissen, schön zu Hause geblieben, Abstand gehalten und bei jeder notwendigen Situation die Maske aufgesetzt hat.

Waren die Infektionszahlen doch die letzten Monate stabil geblieben, steigen sie jetzt wieder. Ob es ein Zufall ist, dass das der Fall ist, seit dem die erste große Anti-Corona-Demo stattfand? Ich glaube nicht. Wenn sich 20.000 Menschen bzw. 1,3 Millionen, wie einschlägige Medien behaupten, sich ungeschützt für Stunden treffen, zusammen stehen, grölen und feiern ist das nicht nur dumm, sondern auch wahnsinnig gefährlich. Wenn man es genau nimmt eigentlich nur wahnsinnig.

Und weil eben einmal mit 20.000 Menschen vorm Reichstag schimpfen nicht genug ist, wiederholt man das ganze einen knappen Monat später. Unter der Auflage es solle doch bitte Abstand gehalten werden, flatterte die Genehmigung des Verwaltungsgerichtes direkt in die Hände der Systemgegner. Und natürlich kam es wie es kommen musste. Die Polizei rückte mit 3.000 Mann an, um die Einhaltung der einzigen Regel zu kontrollieren und zu garantieren. Doch nach nur vier Stunden war der Traum von der Einnahme Berlins und der Stürmung der amerikanischen Botschaft ausgeträumt. Denn man wollte sich an die Abstandsregeln nicht halten. Das war der erste Strike vom Ende einer vermeintlichen Revolution. Doch man gab ihnen eine zweite Chance.

Abstandsregelungen unterschreiten okay, aber nur wenn stattdessen eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen würde. Die Masse entschied sich darüber abzustimmen und war zur Verwunderung sogar damit einverstanden. Tatsächlich getragen hat jedoch keiner eine. Also machte die Polizei kurzen Prozess und löste die Demo auf. Wir alle wissen, dass das nicht das Ende vom Lied sein wird. Spätestens heute Abend, am Samstag, ereilt uns sicherlich die nächste Überraschung. Sei es der spontane Sturz des Bundestages oder die Errichtung einer eigenen Hochburg in Form von 10€-Zelten auf dem Pariser Platz. Irgendeine Idee wird sicherlich genug Anhänger finden, um das Reichsbürgertum aus dieser Misere zu befreien.

So sehr die Polizei in den letzten Wochen auch in der Kritik stand und steht, so dankbar bin ich heute dafür, dass Schwurbler und Schwurblerinnen heute nicht allein durch Berlin marschieren.. Jedoch vergebens. Wenn für die Räumung einer linken Kiezkneipe mehr Polizist*innen einberufen werden, als für eine waschechte Rechts-Demo unter dem Mantel des Corona-Hasses, läuft grundlegend was falsch. Denn leider Gottes protestieren auf dieser Demo nicht nur Corona-Verwirrte, sondern auch waschechte Nazis, die sich eine Demo zu eigen machen. Hygiene-Demos sind wohl der einzige Ort, an dem Corona-Gegner, Nazis, Hippies und Leute aus der Mitte, die einfach nur ihren Unmut Luft machen wollen aufeinander treffen und für ungefähr dasselbe einstehen. Doch wie Dumbledore schon eins sagte: „Vor uns liegen dunkle, schwere Zeiten.“ Die Frage ist nur für wen.

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Autorin:

Janna