Exzellenzstrategie

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Welche Vorteile haben Studierende?

Seit über 10 Jahren werden ausgewählte Universitäten durch die Exzellenzinitiative gefördert? Doch für viele Studierende sind die Auswirkungen auf den Uni-Alltag unbekannt.

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Förderung von Spitzenforschung! Mit diesem Ziel wurde 2004 von der Bundesregierung die Exzellenzinitiative ausgerufen. Die meisten denken bei Spitzenforschung sicher sofort an neue moderne Gebäude in denen millionenteure Geräte stehen.
Wer mit solchen Vorstellungen das Labor “Bild Wissen Gestaltung” betritt, wird enttäuscht. Denn dort wurde das Geld nicht in Maschinen angelegt, sondern in Menschen investiert.

Exzellenzcluster sind große Forschungsvorhaben, in denen wissenschaftliche Kompetenzen gebündelt werden. Als solches ist das Labor” Bild Wissen Gestaltung” einmalig. Ein interdisziplinäres Labor, in dem Geistes- und Naturwissenschaftler aus 40 Disziplinen gemeinsam daran forschen, wie Wissen bildlich und gestalterisch erworben und angewendet wird. Der gemeinsam Austausch der Forschenden ist dabei das wichtigste Element. Und das muss nicht immer am Arbeitsplatz sein, sondern kann auch an alltäglichen Orten wie in der Küche stattfinden

Die Experimentalzone im Labor Bild Wissen Gestaltung | © Sebastian Schade

Für die Ausschreibung der neuen Exzellenzstrategie, die 2019 die Exzellenzinitiative ablöst, haben die Berliner Universitäten mittlerweile noch neun Cluster im Rennen. Diese konkurrieren mit fast 90 anderer Einreichunge aus ganz Deutschland. Am Ende werden nur etwa die Hälfte der Anträge zugelassen. Die Zulassung der Cluster wichtig, denn den erst dann können die Universitäten den Exzellenztitel zu bekommen. Trotz des Wettbewerbes arbeiten jedoch die Universitäten weiterhin zusammen.

Doch es gibt auch Kritik an der Förderung durch die Exzellenzinitiative. Der Wettbewerb zwischen den Universitäten nehme zu und es bilde sich ein Qualitätsgefälle zwischen Gewinnern und Verlierern des Exzellenzwettbewerbs, so Fabian, Hochschulpolitischer Referent beim Asta der FU. Orientiert wurde sich dabei an englischen und US-amerikanischen Elitehochschulen. Aber der Vergleich hinkt. Diese Hochschulen erhalten vom Staat sehr viel mehr Geld und finanzieren sich zusätzlich über hohe Studiengebühren. So gibt es in diesen Ländern wenige gute Leuchttürme, jedoch ein großes Mittelmaß mit schlechteren Bedingungen.

Aber auch an den deutschen Exzellenzuniversitäten ist nicht alles gut, so Fabian. Er kritisiert, dass von den Geldern der Exzellenzprogramme nur ein kleiner Teil der Studierenden profitiert. Meist die, die sowieso schon privilegiert sind. Ein Großteil der Studierenden hätte trotzdem mit schlechten Lernbedingungen, wie überfüllten Hörsälen, zu kämpfen. Mit einer Verbindung von Lehren und Lernen habe dies nichts mehr zu tun.

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Die Exzellenzinitiative – ein Projekt ausschließlich für die Elite an der Universität? Präsidentin der Humboldt-Universität, Sabine Kunst, sieht für alle Studierende Vorteile. Neben dem gestiegenen Ansehen der Universität durch einen möglichen Exzellenztitel hat sie auch ein konkretes Beispiel, wie die Lernbedingung für Studierende verbessert wird: Q-Tutorien. Sie ermöglichen den Studierenden einen Einblick in die Forschung und somit eine bessere Orientierung im Studium.

Außerdem betont Sabine Kunst, dass sich durch die Exzellenzstrategie auch die internationale Vernetzung der Universität verbessert. Neue Partnerschaften sind so mit Hochschulen in den USA, Großbritannien oder Israel entstanden. Außerdem werden Stipendien gefördert. Der Fokus jedoch, liegt auf der Förderung der Spitzenforschung. Angesichts des 3 stelligen Millionen-Budgets im Jahr relativiert sich die Menge an Geld, die in die breite Förderung fließt, so die HU-Präsidentin. Maximal 28 Millionen Euro kann die Universität als Förderung erhalten. “Das ist schon viel”, sagt Frau Kunst, ”aber man kann damit natürlich nicht die Bäume aus der Erde reißen.”

Zur Exzellenzstrategie treten die Berliner Universitäten zum ersten Mal als Verbund an. Dadurch erhoffen sie sich bessere Gewinnchancen. Ob sie sich in Zukunft “exzellent” nennen dürfen, wird im Juli 2019 entschieden.

Weiterführende Links

Seite des Exzellenzclusters Bild Wissen Gestaltung

Liste aller Berliner Exzellenzcluster


Sebastian Schade

Autor:
Sebastian