Eine Stadtführung…

… mit Berlin Kultour

© Sascha Wolters
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„Geflüchtete in historischer Perspektive“

„Berlin – eine Stadt, verdammt dazu, immerfort zu werden und niemals zu sein!“

Diese berühmte Aussage des Publizisten und Kunstkritikers Karl Scheffler von 1910 unterschreibt auch der junge Historiker und Stadtführer Tobias Allers, der seit etwa zwei Jahren unter dem Namen Berlin Kultour Touristen wie Berlinern interessante Ecken der Stadt zeigt. Die selbst zusammengestellten Touren drehen sich dabei teils um einzelne Orte, wie die Museumsinsel, Schloss Charlottenburg oder das Botschaftsviertel, sind aber auch thematisch aufgebaut und behandeln Kiezentwicklung, Kunst im öffentlichen Raum oder Street Art. Für Tobi ist und bleibt Berlin eine einzigartige Stadt mit bewegter Geschichte, die ihn mit ihrem großen Angebot an Kunst und Kultur zu immer neuen Touren anregt.


KULTUR-
KOMPASS

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In seiner neusten und zurzeit gefragtesten Tour beleuchtet Tobi nun ein ganz aktuelles Thema: In „Geflüchtete in historischer Perspektive“ zeigt er auf, was Flucht- und Migrationsbewegungen im Laufe der Zeit in Berlin ausgemacht haben, welche Spuren diese in Stadtbild und Sprache hinterlassen haben und was es für Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu heute geben könnte. Der historische Überblick reicht dabei von den französischen Hugenotten um 1700, der jüdischen Bevölkerung, den Einwanderern aus Polen im 19. Jahrhundert und der Vertriebenen-Generation nach 1945 bis hin zu den Gastarbeitern in den 60er Jahren. Für den 31-jährigen ist diese Tour auch so etwas wie ein politischer Kommentar, sind ihm doch immer wieder Parallelen zwischen den historischen und den aktuellen Situationen aufgefallen.

© Sascha Wolters
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Wir beginnen die Tour bei strahlendem Sonnenschein an der Klosterstraße in Mitte, etwa 15 Leute sind erschienen. Es geht weiter zum Ephraim-Palais, vor dem Tobi etwas über die jüdische Bevölkerung Berlins im Laufe der Zeit erzählt. Weiter geht es mit den polnischen Einwanderern zur Zeit der Industrialisierung, wir stehen jetzt am wunderschönen Engelbecken in Kreuzberg. Immer wieder zeigt Tobi Karten, lockert den Vortrag durch Anekdoten auf und regt zum Nachfragen und Mitdiskutieren ein. Wer kurz ein Eis oder ein Getränk am Späti holen möchte, auf den wird gewartet. Spannend an Tobis Ansatz ist, dass er auch ganz aktuelle Projekte in seine historische Tour miteinbezieht, wie beispielsweise das House of One: Drei Gemeinden der Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam wollen hier ein gemeinsames Gebets- und Begegnungszentrum entstehen lassen. Das Projekt soll über Spenden finanziert werden.

© Sascha Wolters
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Vice führte ein Interview mit dem verantwortlichen Priester, Imam und Rabbi, bei dem alle drei Witze erzählen, frei nach dem Motto: „​Treffen sich ein Rabbi, ein Priester und ein Imam …“

Als wir nach etwa zweieinhalb Stunden am Kottbusser Tor und damit am Ende der Tour angelangt sind, sind die meisten Teilnehmer von der Thematik und Tobis authentischem Vortrag begeistert. Seine ausgiebige Recherche und persönliche Begeisterung für das Thema machen die Tour zu einer ungewöhnlichen und authentischen Entdeckungsreise durch das Berliner Stadtbild.

© Sascha Wolters
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Tobi bietet fast jedes Wochenende offene Touren für 10€ pro Person an. Buchen kann man diese über seine Website oder via Facebook.


Weiterführende Links

House of One

Webseite von Berlin Kultour

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Autorin:
Sofie