Doch Kunst

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Vor radikalen Forderungen hat die Volksbühne noch nie zurückgeschreckt. An der Fassade hängt seit Freitag die Forderung: Make Berlin Geil Again! | © couchFM

Die Volksbühne dem Volk?

Die Volksbühne kommt aus den Schlagzeilen nicht raus. Gerade noch fing die neue, umstrittene Intendanz Chris Dercons mit einem Tanzfestival auf dem Tempelhofer Feld an, da findet das Haupthaus am Rosa-Luxemburg-Platz neue Bewohner*innen: seit Freitag ist die Volksbühne besetzt. Dahinter steckt das Künstler*innenkollektiv “Staub zu Glitzer”, die das Theater für alle öffnen wollen. “Mimetische Transmediale Theaterinszenzierung” nennen sie das ganze in ihrem Manifest, und wie das dann aussieht, hat sich couchFM-Reporterin Janne für euch angeschaut.

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GESPRÄCHSSTOFF

Lea

VON Janne

Theater spielen, Musik machen, Kurzfilme drehen, tanzen und ganz viel diskutieren – eigentlich ein ganz normaler Alltag für ein Theater, oder? Jein. Gerade zumindest ist hier noch nichts Alltag. Gerade ist die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz nämlich die neue Heimat für alle, die Kultur und Kulturpolitik selber in die Hand nehmen wollen. Seit Freitag ist die Volksbühne besetzt.

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Im Roten Salon laufen die Vorbereitungen für die Party Samstag Nacht. Bis zu 6000 Leute werden erwartet. | © couchFM

Die Stadt zurückholen, ein Zeichen gegen die Gentrifizierung setzen, und Kunst und Theater für alle öffnen sind die Ziele der Veranstalter*innen. Die Besetzung richtet sich explizit nicht gegen Chris Dercon, den umstrittenen neuen Intendanten. Im Manifest des Kollektivs wird er herzlich eingeladen, an der “neuen Volksbühne” mitzuarbeiten. Aber eben als gleichberechtigter Teilnehmer, nicht als alleiniger Intendant. Die Volksbühne soll allen offen stehen, die sich kreativ verwirklichen wollen. Im Plenum fragt jemand “Wer ist eigentlich das Kollektiv?” Jemand antwortet “Das ist ein Freiraum hier. Wer hier ist und mitmacht ist Teil des Kollektivs.” Zustimmendes Nicken, Applaus.

Erika Lust Janne
© couchFM

Klar wird schnell: In den Leuten hier steckt ganz viel kreatives Potential, das raus will. Überall sitzen kleine Grüppchen, die Veranstaltungen für den Spielplan planen, der am Montag immerhin aus 20 verschiedenen Acts bestand. Klar wird auch: Basisdemokratische Organisation dauert und ist kompliziert. “Wir sind auch hier, um herauszufinden, was diese ganzen unterschiedlichen Leute eigentlich wollen. Und was wir eigentlich wollen”, sagt Marisa, die gerade an einer Videocollage arbeitet. Was begehrt ihr? ist die Frage, die sie darin stellt. Teilnehmer*innen sollen ihre Antworten auf Zettel schreiben und dann vor der Kamera vorlesen. “Es ist auch okay, dass es noch keinen Konsens gibt. Deswegen reden wir ja miteinander.”

Allen wichtig ist, dass mit dem Raum gut umgegangen wird. Überall hängen Poster, die Rauchen und Tags verbieten. Im Klaviersaal wird gestaubsaugt. Ein Schiedsgericht soll über Verstöße gegen die Hausregeln entscheiden.

Die “offizielle” Leitung des Theaters unter Dercon und der Kultursenat entscheiden derweil, wie sie mit dem Verstoß gegen das Hausrecht durch die Besetzer*innen umgehen. Dercon forderte am Wochenende die Politik dazu auf, “zu handeln.” Eine Räumung möchte Kultursenator Klaus Lederer aber verhindern. Das sähe für niemanden gut aus.

Wie es jetzt weitergeht? Das weiß niemand so ganz. Das Projekt ist für drei Monate ausgerichtet, vielleicht länger. Jetzt wird erstmal weiter Theater gespielt, Musik gemacht, getanzt, diskutiert. Wir bleiben auf jeden Fall dabei.

Mehr Informationen und den aktuellen Spielplan findet ihr auf der Facebook-Seite von VB6112  oder unter ihrem Twitter-Account.


Autorin:
Janne