Filmrezension: Die Zeit der Frauen

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Diese Frauen kann nichts aufhalten | Quelle: filmpressekit.de

Adé Bollywood-Kitsch

Ausschweifende Tanzeinlagen, dicke Krokodilstränen und Sha Rukh Khan – diese Dinge schießen einem womöglich sofort in den Kopf, wenn man an indische Filme denkt. Bollywood der Extraklasse eben. Dass sich jedoch bei Weitem nicht jede indische Produktion in die kitschige Bollywood-Schublade stecken lässt, beweist Leena Yadav mit ihrem brandneuen Streifen ‘Die Zeit der Frauen’…

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KULTUR-
KOMPASS

VON Jessy Lee

…dass sich ‘Die Zeit der Frauen’ mutig aus dem typischen Bollywood-Universum hervor traut, macht sich bereits anhand der grundlegenden Story bemerkbar. Zwar startet auch dieser Film mit der altbekannten Thematik – Es wird geheiratet! – diese findet jedoch nur am Rande Beachtung. Viel wichtiger sind die alltäglichen Probleme, mit denen die verschiedenen Hauptfiguren zu kämpfen haben. Rani, die sich schon immer bereitwillig den traditionell indischen Konventionen gebeugt hat, muss sich unablässig für die kriminellen Ausrutscher ihres Sohnes verantworten; ihre beste Freundin Lajjo wird aufgrund ihrer scheinbaren Unfruchtbarkeit ständig von ihrem Mann misshandelt und Bijli, die sich ihr Geld als Tänzerin und Prostituierte verdient, leidet unter der Verachtung der Dorfbewohner, was sie unter ihrer lebensfrohen und selbstbewussten Oberfläche zu verstecken weiß. Schon bald wird den Frauen klar, dass das Leben weit mehr für sie bereithalten muss – Sie wollen Liebe. Sie wollen Glück. Sie wollen Freiheit. Ein beschwerlicher Weg, der sich durch ihre tiefe Freundschaft Schritt für Schritt zu ebnen beginnt.

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Tanzeinlagen à la Bollywood gibt’s auch hier – aber mit entschieden mehr Würze! | Quelle: filmpressekit.de

‘Die Zeit der Frauen’ findet in jeder Hinsicht die richtige Balance. Bilder, die zu Tränen rühren und wahrhaftig unter die Haut gehen, werden von Szenen kontrastiert, die vor Lebensfreude nur so sprühen und mal eben den gesamten Kinosaal zum Lachen bringen. Auf dynamische, dramatische Passagen folgen hoffnungsvolle Phasen, in denen man für einen Augenblick den Atem anhalten und den Moment der vorübergehenden Freiheit mit den Frauen restlos genießen möchte. Keine der Figuren drängt sich dabei in den Vordergrund, jede bekommt ihren Raum, ihre Möglichkeit zur Entfaltung. Wobei es jedoch eher bei dieser ‘Möglichkeit’ bleibt, denn vollkommen entfalten können sich die Figuren am Ende doch nicht. Dafür reichen zwei Stunden Spielzeit eben nicht aus. Dies bleibt aber gewiss die größte und einzige Schwäche des Films.

Yadav erschafft mit ‘Die Zeit der Frauen’ letztlich ein kleines Juwel indischer Filmkultur. Und sein Funkeln ist es definitiv wert, gesehen zu werden.

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‘Die Zeit der Frauen’ besticht mit einzigartigen Bildern | Quelle: filmpressekit.de

Weiterführende Links

Film: Die Zeit der Frauen

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Autorin:
Jessy Lee