Frankreich ohne Deutsch

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Foto: Jlmenager (wikimedia)

Schulreform in Frankreich

Frankreichs Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem will die „classes bilangues“ und „sections européennes“ mit ihrem Projekt zur Schulreform ab 2016 abschaffen. In diesen zweisprachigen Klassen können die französischen Schüler gleichzeitig mit Deutsch und Englisch anfangen wenn sie auf das Gymnasium kommen. Die anderen Schüler beginnen mit Englisch und können zwei Jahre später im Alter von 13 eine zweite Fremdsprache auswählen, meistens Spanisch oder Deutsch. Laut der Ministerin bildet sich aus diesen zweisprachigen Klassen eine Elite heraus, die immer größere Ungleichheiten zwischen den Schülern verursacht. Deswegen sieht die Schulreform u.a. vor diese Klassen abzuschaffen. Mehr Gleichheit klingt schön – aber die Realität sieht anders aus.

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VON MAnon
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Participation de la ministre Najat Vallaud-Belkacem, au 5e Forum de la coopération franco-allemande en Recherche, au Muséum national d’Histoire naturelle de Paris, le lundi 8 décembre 2014 - © Philippe DEVERNAY
Najat Vallaud Belkacem beim 5. Forum zur Deutsch-französischen Forschungskooperation 2014. (Foto: Philippe Devernay, Enseignement supérieur et Recherche – flickr.com)

Probleme gibt es seit März als die Mitteilung des Projekts zur Schulreform herauskam. Eine Petition dagegen hat seitdem 44.397 Unterschriften gesammelt (Stand: 19. Juni 2015). Dazu streiken und demonstrieren viele Lehrer und führen zahlreiche Gründe gegen die Reform an:

Gesellschaftlich wichtig

Ein wichtiges Argument ist, dass diese zweisprachigen Klassen eigentlich die soziale Durchmischung fördern: Die vermeintlich schwierigen Schulen sind damit attraktiver geworden, haben einen besseren Ruf bekommen und ein breiteres Publikum angezogen. Das Argument des Elitarismus ist dann nicht gültig. Aber das ist noch nicht alles.

Spanisch beliebter als Deutsch

Die deutsche Sprache braucht unbedingt Unterstützung. Genau wie Französisch in Deutschland, wird Deutsch in Frankreich von den Schülern immer weniger ausgewählt. Wer sich in Frankreich im Alter von 13 für eine zweite Fremdsprache entscheidet, bevorzugt eindeutig Spanisch. Die Mehrheit ist überwältigend. Spanisch ist für französische Schüler einfacher zu lernen, da sie sehr viele Gemeinsamkeiten mit dem Französischen hat.

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Merkel zupft Hollande am Arm. (Foto: Eoghan OLionnain – flickr.com)

Meine Erfahrungen

Ich komme selbst aus Frankreich. Zur Schule ging ich in Marseille, in einer „classe bilangue“. Zwei Jahre später fing die Hälfte meiner Klasse mit Deutsch an. Insgesamt haben aus meiner Schule 1,5 Klassen Deutsch gelernt und 4,5 Klassen Spanisch. Ich frage mich: Wie viele Schüler hätten Deutsch ausgewählt ohne diese zweisprachige Klasse? Wahrscheinlich viel weniger. In weitentfernten Regionen wie Südfrankreich ist es sehr schwierig, bei den Schülern Neugier auf die deutsche Sprache zu wecken. Sie bekommen wenig von der deutschen Kultur mit – außer, dass die Sprache schwierig ist.

Für die Franzosen ist das Deutsche tatsächlich schwieriger als Spanisch, deswegen ist es mehr als wichtig, früh damit anzufangen. Jetzt will die Regierung, dass alle Schüler im Alter von 12 mit einer zweiten Sprache beginnen. Allerdings nicht mehr im Umfang von 3 Stunden pro Woche sondern von 2,5 Stunden, was viele Lehrer für viel zu wenig halten um eine Sprache zu lernen – vor allem eine komplizierte Sprache wie Deutsch.

Sprachen und deutsch-französische Beziehungen

Der Generalsekretär vom DFJW, Herr Dr. Markus Ingenlath, beobachtet immer wieder Folgendes:
„Bei jedem Austausch sind die jenigen die Zugpferde, die sich wirklich auch nachhaltig engagieren. Das sind immer die, die auch sehr gute Kenntnisse haben in der anderen Partnersprache“. Er befürchtet mit dieser Reform „landesweit eine Abnahme der Absolventinnen und Absolventen des Deutsche-Sprache-Diploms oder des Abibacs. Damit nimmt natürlich auch in der Folge, die potentielle Gesamtzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an allen deutsch-französischen Institutionen und Maßnahmen ab“.

Diese Reform bedeutet nämlich auch, sich von den Verpflichtungen Konrad Adenauers und Charles de Gaulles zu entfernen. Deutsch zu fördern ist nicht nur für die Vielfalt der Sprachen wichtig, sondern steht schwarz auf weiß im „Elysee Vertrag“:

Die beiden Regierungen erkennen die wesentliche Bedeutung an, die der Kenntnis der Sprache des anderen in jedem der beiden Länder für die deutsch-französische Zusammenarbeit zukommt. Zu diesem Zweck werden sie sich bemühen, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl der deutschen Schüler, die Französisch lernen, und die der französischen Schüler, die Deutsch lernen, zu erhöhen.

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De Gaulle / Adenauer (Foto: Jean-Pierre Dalbéra – flickr.com)

Für eine gute Zusammenarbeit ist es unbedingt notwendig, dass die deutsche Sprache in französischen Schulen bevorteilt werden sollte. Leider will die Regierung gar nichts ändern und behauptet, dass die deutsche Sprache keine Schaden davontragen wird und sieht die geplante Reform als eine neue Chance für mehr Lehrer und eine praxisnähere Lehre dieser Sprache. Das würde ich gerne glauben.


[two_columns_one] [white_box]Manon-Valere

Autorin:
Manon

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