Black Lives Matter

Am 25. Mai 2020 ist George Floyd auf tragische Weise ermordet worden. Dass, das die Black People of Colour Community wie einen weiteren Faustschlag ins Gesicht trifft, ist nicht verwunderlich. Rassistische Gewalt gegen „anders Aussehende“ ist Alltag. Ich bin weiß und ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung was Rassismus bedeutet. Klar kenne ich die Definition und weiß welche Formen es gibt, aber persönliche Erfahrungen habe ich nie gemacht. Nie machen müssen. Wie auch? Bin ich doch als weiße privilegierte Frau aus einem guten Elternhaus mit so ziemlich allem gesegnet, was es braucht, um in diesem Land wenige Nachteile zu haben. Das ist ein Privileg auf das ich nicht stolz, aber froh darüber sein kann. Eins, dass man sich nicht aussuchen kann.

Je mehr ich durch Social Media scrolle, desto unsicherer werde ich. Vergangen sind die Tage, an denen Influencer*innen sinnlose Produkte in die Kamera halten und sich über die neuen Yeezys auslassen. Vorbei die Zeiten, in denen der neue Detox-Tee und eine neue Haarkur in die Kamera gehalten werden, um die Community zu beglücken. Seit ca. einer Woche heißt es: „Bye, Bye seichter Content“ und: „Hallo, Wirklichkeit“. Endlich lodert das Feuer des politischen Aktivismus auch in der breiten Masse. Vor allem Instagram scheint eine neue Rolle in Sachen politischer Mobilisierung bekommen zu haben. Was mir bisher nur über Twitter bekannt war, ist nun zielgruppenübergreifend auf der Agenda. Aufrufe an Anti-Rassismus-Demos teilzunehmen und Verbreitungen von schwarzen Bildern unter dem Hashtag #blackouttuesday bringen das Thema Rassismus noch einmal neu auf den Tisch. Bekannte und weniger Bekannte BIPOCs teilen über soziale Netze ihre Erfahrungen und machen erneut darauf aufmerksam, dass Rassismus kein Problem der USA ist. Es ist vor allem ein weißes Problem. Ein Problem eines Systems, in dem ich lebe. Jedes Mal, wenn ich zu feige war den Mund aufzumachen oder nicht auf einer Demo war, habe ich die Augen verschlossen. Dank dieser Bewegung, habe ich gelernt mir Gedanken über mein Verhalten zu machen. Oder sagen wir besser: habe ich mir Gedanken machen müssen.

Und ganz ehrlich: Mich verunsichert das. Schlagartig wird auf Social Media mit Begriffen wie Blackfishing und Blackfacing um sich geworfen. Dinge, die vorher in meiner Welt keine Rolle gespielt haben, zwingen mich dazu mich politisch und thematisch damit auseinander zu setzen. Und das ist auch richtig gut so. Seit einer Woche beherrschen die sozialen Netze keine anderen Themen mehr. Der Fall George Floyd hat keine Welle ausgelöst, sondern einen Tsunami. Und das ist verdammt nochmal gut so. Und solange ich diese Unsicherheit verspüre, weiß ich, dass ich noch nicht genug über Rassismus weiß. Natürlich nervt viele das Thema mittlerweile. Mich eingeschlossen. Aber es ändert sich eben nichts, wenn wir nur einen Nachmittag drüber sprechen. Und für eine Welt, in der BIPOC Personen unbeschwerter leben können, bin ich gerne gewillt auf den bisherigen Non-Sense-Lari-Fari-Content zu verzichten.

Doch eins ist und bleibt sicher: Es wird ein langer Kampf sein und bleiben sich dauerhaft gegen Rassismus zu stellen. Kein Menschen darf und sollte sich aufgrund seiner Herkunft diskriminiert fühlen. Kein Mensch ist illegal. Gib Rassismus keine Chance. Black Lives Matter.

Du willst mehr lesen? Kein Problem! Auf meinem Blog catchmerandom findest du weitere Kolumnen von mir.

Autorin:

Janna