Berliner Stadtschloss

Die Außenfassade des Berliner Stadtschlosses wird originalgetreu nach dem barocken Vorbild wiederaufgebaut.  © Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum
Die Außenfassade des Berliner Stadtschlosses wird originalgetreu nach dem barocken Vorbild wiederaufgebaut.
© Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum

Beutekunst im Preussenschloss

Das Berliner Stadtschloss war einst das Machtzentrum des preußischen Reichs. Nun wird der Palast wiederaufgebaut und soll ab 2019 unter anderem die Ausstellung des ethnologischen Museums zeigen. Kritiker bezeichnen die dort ausgestellten Objekte jedoch als Beutekunst und fordern eine Rückgabe an die Herkunftsländer.

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VON Jessica C.

und Charlotte
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Schlüterhof © Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum

Wer an der großen Baustelle zwischen Museumsinsel und Neuem Marstall vorbeiläuft, kann die Ausmaße des Schlosses bereits erahnen. Den großen Betonbau teilen sich ab 2019 die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Humboldt-Universität und die Landesbibliothek Berlin. Den größten Teil des Schlosses wird die Ausstellung der außereuropäischen Sammlungen des Ethnologischen Museums ausmachen.

Die Stadt Berlin verspricht sich viel von dem Konzept. Ein Universalmuseum, das Berlin in den Rang von Weltstädten wie London oder Paris hebt. Ein Ort, an dem die Kulturen der Welt zusammentreffen und in den Dialog treten.

Blick in das Foyer © Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum

Für die Kritiker ist diese Formulierung zynisch. Die meisten der 500.000 Objekte, die der ethnologischen Sammlung angehören, kamen in der Zeit des Kolonialismus nach Deutschland und wurden ihren Besitzern oft gewaltsam abgenommen. 80 Vereine und Initiativen haben sich zu „NoHumboldt21“ zusammengetan, um den Bau des Schlosses und die Ausstellung der Objekte zu verhindern. Unter ihnen ist die Gruppe Postkolonial Berlin, die sich dafür einsetzt, die koloniale Geschichte Deutschlands in den Fokus des kollektiven Gedächtnisses zu rücken.

In ihrer vergleichsweise kurzen Kolonialgeschichte begingen die Deutschen den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Das Volk der Hereros wurde im heutigen Namibia per Vernichtungsbefehl ausgerottet, etwa 80.000 Menschen starben. Es war die Zeit von Kaiser Wilhelm, der damals im Berliner Stadtschloss residierte. Bis heute hat die Bundesregierung den grausamen Feldzug gegen die Hereros nicht als Genozid anerkannt.

Ethnologische Sammlungen, wie sie nun im sogenannten Humboldtforum gezeigt werden sollen, hätte es niemals ohne das Unterwerfen und Ausbeuten indigener Völker gegeben. Ohne Sinn für die Bedeutung der Gegenstände wurden sie damals nach Europa verfrachtet, um den Europäern die Kultur der „Anderen“ auszustellen.

Ostfassade © Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum

Zur Sammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehören auch bis zu 8000 Schädel, die vor 100 Jahren als besonders makabre Kriegsbeute nach Berlin kamen. Sie dienten der Forschung und wurden gemäß der damals geltenden Rassenlehre vermessen. Seit Jahrzehnten versuchen verschiedene Initiativen, die Rückgabe der Gebeine zu erreichen.

Die Stiftung ist sich der Problematik der Beutekunst durchaus bewusst. Allerdings seien die Objekte damals „rechtmäßig“ nach Europa gebracht worden und seien hier sicherer als in den Herkunftsländern. Außerdem wollen sie sich kritisch mit der Kolonialzeit in der Ausstellung auseinandersetzen und die Herkunft der Stücke durchaus thematisieren.

In einem wiederaufgebauten Preußenschloss koloniale Objekte zu zeigen – den Kritikern erscheint das als Anachronismus. Rühmt sich Berlin doch für seine Weltoffenheit, seine Diversität und seine Offenheit. Stattdessen wird in der Mitte der deutschen Hauptstadt Kaiser Wilhelm und der Kolonialzeit ein Denkmal gesetzt. Eine kritische Aufarbeitung der Geschichte in diesem kolossalen Rahmen ist vor allem eines: eine Geste an die Deutschen, die sich damit wieder einmal mehr ihrer Bußfertigkeit rühmen.


Weiterführende Links:
NoHumboldt21
Berlin Postkolonial
Humboldt-Forum


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Autorinnen:

Jessica C.

&

Charlotte

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