Berliner Ringtheater

Ringtheater Der Zustand
Goldene Zukunft? Das Ringtheater verspricht auf jeden Fall Licht aus dem Berliner Theater-Osten. | © Mathias Söhn, Berliner Ringtheater

Produktion, Reflexion, Diskurs

In der Zukunft am Ostkreuz entsteht ein politischer Theaterraum: das Berliner Ringtheater

Ein eigenes Theater gründen. Selber über die Arbeitsweisen entscheiden, und darüber, was auf die Bühne kommt. Am Ostkreuz wird dieser Traum gerade Realität. Im Oktober 2017 erhält der Theatermacher Lars Werner im Kunst- und Kulturzentrum Zukunft das Angebot, im dortigen Theatersaal etwas Neues aufzubauen. Freunde, Bekannte und alte Weggefährten finden sich zusammen. Das Berliner Ringtheater wird gegründet. Man einigt sich auf eine kollektive Leitung: Ausrichtung, Produktionsweise, Abendkasse – die anstehenden Aufgaben werden geteilt, egal ob künstlerisch oder körperlich.

Den Reiz einer solchen Neugründung sieht Johannes Bellermann vom Ringtheater-Kollektiv in der freien Arbeitsweise: “Das Schöne an unserer Situation ist, dass wir selber erfinden können, wie wir arbeiten wollen, beziehungsweise auch rausfinden müssen, wie wir arbeiten wollen, und dabei auch neue Wege bestreiten können.” Dass hier Menschen zusammenarbeiten, die einander kennen und gemeinsame Grundannahmen teilen, führt aber unweigerlich zu der Notwendigkeit einer unablässigen Verständigung darüber, was eigentlich auf die Bühne gebracht werden soll. “Dadurch, dass es so ein Zusammenschluss von Freunden oder Leuten, die sich auf jeden Fall irgendwoher kennen, ist, kommt es dazu, dass es die Annahme gibt: Ja, wir wollen eigentlich alle das gleiche, wir haben ja alle das gleiche Verständnis von Theater. Und von Politik”, betont auch Tim Jakob, ebenfalls Mitglied des Kollektivs. “Und das ist so eine Prämisse, die sich häufig durch die Diskussion zieht, bis es dann zu dem einen Punkt kommt, wo es dann darum geht: Ne! Das will ich genau nicht, und das wird dann auch gesagt und dann geht es natürlich sofort heiß her, weil diese Prämisse völlig ausgehebelt wird.”

Fokus auf die Arbeitsweise

Die politisch-diskursive Grundhaltung schlägt sich neben der inhaltlichen Ausrichtung auch in der Produktionspraxis nieder und ist Gegenstand intensiver Diskussionen. Jakob: “Für mich persönlich liegt der Fokus gerade total auf der Arbeitsweise, weil sie das ist, was wir am ehesten verändern und reflektieren können. Zum Beispiel bei der Frage, ob Theater politisch ist. Muss da jetzt immer die krasse Proklamation auf der Bühne stattfinden oder geht es nur um die Ästhetik?” Eine andere Frage, die sich stellt, ist die, mit welchen Künstler*innen zusammengearbeitet wird. Denn der Grundansatz ist ein queerfeministischer, mit dem sich auch vom momentanen Theaterbetrieb abgegrenzt werden soll. Das soll aber nicht bedeuten, dass es Quoten oder harte Absageregeln gebe, so Bellermann: “Wenn da drei Typen bei uns ein Stück machen wollen, das aber auf anderen Ebenen, inhaltlich und ästhetisch, spannend und bahnbrechend ist, dann ist klar, dass wir da Bock drauf haben. Wir achten nur darauf, wie das zustande kommt, was im Ringtheater läuft, und wer das macht.”

Nach der an allen Abenden ausverkauften ersten Hausproduktion im Februar folgt nun die zweite Uraufführung im neuen Theaterraum. Und das soll erst der Anfang sein: für die Zukunft sind sechs Produktionen pro Spielzeit geplant. Dazu kommen weiterführende Veranstaltungen wie Philosophy Unbound, und auch mal ein Konzert. Vom 7. bis 9. Juni ist das Ringtheater Spielstätte des Performing Arts Festivals, auf dem man auch mit eigener Produktion vertreten sein wird. Und vom 4. bis 5. Juli wird ein eigenes kleines Festival am Haus ausgerichtet werden.

In kurzer Zeit viel erreicht

Es gibt also mehr als genug zu tun für das Theaterkollektiv im Berliner Osten. Die viele unentgeltliche Arbeit lohnt aber den Aufwand. Zum einen, so Jakob, weil man immerhin in gegenseitigen Schulterklopfern ausgezahlt wird. Zum anderen, weil in nur kurzer Zeit viel erreicht wurde. “Von dem Moment an, an dem man sagt, wir machen jetzt ein Theater, glaubt man sich das erstmal nicht. Dann fängt man aber an zu überlegen: Was braucht man dafür? Und dann haben wir halt diskutiert”, fasst Bellermann zusammen. “Prozesshaft kann man aber sagen, dass man dann total überrascht ist und sich dann auch die Premiere anschaut und denkt: das ist merkwürdig, das ist toll, es lebt.”

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Das Stück „Der Zustand“, das am Mittwoch Premiere hat


Moritz

Autor:
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